Security News Podcast: Folge 31

Folge 31 des Security News Podcast berichtet von dem Aufruf von BSI und Allianz für Cyber-Sicherheit zur Einrichtung einer security.txt, die wachsende Rolle der ENISA im CVE-Programm, die weiterhin anspruchsvolle praktische Umsetzung von NIS-2 in Unternehmen sowie die zunehmende Gefahr hybrider Angriffe auf Wirtschaft und Infrastruktur. Außerdem geht es um neue Initiativen der Cloud Security Alliance zur Absicherung leistungsfähiger KI-Systeme und um den Cyber Risk Score des Marktplatzes IT-Sicherheit, der insbesondere KMU dabei unterstützen soll, Cyberrisiken verständlich zu bewerten und zu priorisieren.

Zusammenfassung (TL;DR):

  • BSI und Allianz für Cyber-Sicherheit rufen zur Einrichtung einer security.txt auf – bislang nutzen sie nur 1,8 Prozent der deutschen Webseitenbetreiber.
  • ENISA baut ihre Rolle im CVE-Programm aus: 20 CNAs gehören inzwischen zum ENISA-Root-Netzwerk, auch die NATO schließt sich an.
  • NIS-2 ist in der Praxis angekommen, doch laut eco-Stimmungsbild bleibt die Umsetzung für viele Unternehmen anspruchsvoll.
  • Laut Bitkom-Umfrage halten 87 Prozent der Unternehmen eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe für wahrscheinlich.
  • Die Cloud Security Alliance startet den „Catastrophic Risk Annex“ zur Absicherung leistungsfähiger KI-Systeme.FAQ:

 

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist eine security.txt?

Die security.txt ist eine Textdatei nach RFC 9116, die Sicherheitsforschenden und CERTs einen eindeutigen Kontakt für Schwachstellenmeldungen bereitstellt. Bislang setzen nur 1,8 Prozent der deutschen Webseitenbetreiber sie ein, obwohl der Aufwand gering und der Sicherheitsnutzen hoch ist. BSI und Allianz für Cyber-Sicherheit rufen deshalb dazu auf, sie einzurichten.

Welche Rolle spielt ENISA im CVE-Programm?

ENISA übernimmt als CVE Numbering Authority zunehmend Verantwortung im internationalen CVE-Programm, das weltweit eindeutige Kennungen für bekannte Schwachstellen vergibt. Aktuell gehören 20 CNAs zum ENISA-Root-Netzwerk, davon zwölf direkt bei ENISA und acht über MITRE Root. Auch die NATO-Kommunikations- und Informationsagentur schließt sich diesem Netzwerk an.

Wie anspruchsvoll ist die NIS-2-Umsetzung für Unternehmen?

Die praktische NIS-2-Umsetzung bleibt für viele Unternehmen anspruchsvoll, wie ein aktuelles Stimmungsbild des eco-Verbands unter 38 Unternehmen zeigt. Größte Herausforderungen sind laut Befragung Dokumentationspflichten, die 24-/72-Stunden-Meldefristen sowie Risikoanalyse und Risikomanagement. Nur knapp 18 Prozent der Unternehmen geben an, die Anforderungen bereits vollständig umgesetzt zu haben.

Wie schätzen Unternehmen die Gefahr hybrider Angriffe ein?

87 Prozent der Unternehmen (18 Prozent äußerst wahrscheinlich, 69 Prozent eher wahrscheinlich) halten laut einer aktuellen Bitkom-Befragung eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe für wahrscheinlich. Hybride Angriffe kombinieren analoge Mittel wie Brand- oder Sprengstoffanschläge mit Cyberattacken oder Drohnen. Drei Viertel der Unternehmen sehen durch die politischen Spannungen zwischen Russland und der Nato sowie den USA und Iran ein steigendes Risiko

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): security.txt –Eine Kontaktmöglichkeit für Schwachstellenmeldungen (https://www.allianz-fuer-cybersicherheit.de/SharedDocs/Downloads/Webs/ACS/DE/Flyer_security_txt.pdf?__blob=publicationFile&v=5)

EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA): CVE Numbering Authority (CNA) Operational Rules (https://www.cve.org/ResourcesSupport/AllResources/CNARules)

eco – Verband der Internetwirtschaft: eco Stimmungsbild NIS-2 (https://www.eco.de/presse/acht-monate-nis-2-umsetzung-bleibt-fuer-unternehmen-anspruchsvoll/)

Bitkom: Drohnen-Anschläge, Sabotage und Cyberattacken: Wirtschaft warnt vor hybriden Angriffen (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Drohnen-Anschlaege-Sabotage-Cyberattacken-Wirtschaft-hybride-Angriffen)

Cloud Security Alliance (CSA): Catastrophic Risk Annex (https://cloudsecurityalliance.org/csai-foundation/catastrophic-risk-annex)

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BSI-Aufruf zur security.txt

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Allianz für Cyber-Sicherheit (ACS) rufen Webseitenbetreiber dazu auf, eine security.txt einzurichten, um damit einen einfachen, aber wirksamen Beitrag zur eigenen IT-Sicherheit zu leisten.

Zum Hintergrund: Nur 1,8 Prozent der Webseitenbetreiber in Deutschland stellen bislang eine security.txt bereit. Das zeigen Messungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Rahmen des Cyberdome-Projekts. Dabei ist der Aufwand gering, der Nutzen für die IT-Sicherheit eines Unternehmens jedoch erheblich: Die security.txt nach RFC 9116 gibt Sicherheitsforschenden, CERTs und anderen Meldenden einen eindeutig auffindbaren Kontakt, über den sie entdeckte Schwachstellen sicher übermitteln können. Fehlt dieser Kontakt, gehen Hinweise auf Sicherheitslücken häufig verzögert, an der falschen Stelle oder gar nicht ein.

Wer die security.txt bereitstellt, unterstützt aktiv die Erhöhung der IT-Sicherheit. So entsteht dadurch im Cyberdome-Kontext ein partizipativer Prozess: Unternehmen stellen eine security.txt zur Verfügung, der Cyberdome scannt Webseiten und teilt Erkenntnisse direkt mit dem richtigen Kontakt, damit erkannte Mängel zeitnah behoben werden. Am Ende geht es darum, Deutschland als Cybernation resilienter zu machen.

Den Link zu dem entsprechenden Informationsflyer gibt es in den Shownotes.

 

ENISA stärkt Rolle im CVE-Programm

Unter anderem die NATO-Kommunikations- und Informationsagentur (NCIA) schließt sich den CVE Numbering Authorities (CNAs) unter dem ENISA-Root an.

Das CVE Programm ist ein internationaler Standardkatalog für öffentlich bekannte Cybersecurity-Schwachstellen. Es vergibt weltweit eindeutige Kennungen (CVE-IDs), damit IT-Sicherheitsexperten und Unternehmen exakt über dieselbe Sicherheitslücke sprechen und Gegenmaßnahmen koordinieren können.

Die Rolle der ENISA im CVE-Programm gewinnt durch die strategische Einbindung wichtiger Akteure im globalen Ökosystem des Schwachstellenmanagements und die Überführung bestehender CNAs unter das ENISA-Root-Netzwerk stetig an Bedeutung. Aktuell gehören 20 CNAs zum ENISA-Root-Netzwerk, davon 12 direkt von der ENISA und 8 von MITRE Root zu ENISA Root.

Die Aufnahme neuer CNAs aus verschiedenen Sektoren, darunter CSIRTs, Anbieter und Lieferanten, internationale Allianzen und Sicherheitsforschungsorganisationen, unterstützt die Ziele des CVE-Programms, die globale Beteiligung auszuweiten, die Vielfalt der teilnehmenden Organisationen zu vergrößern, die Qualität zu verbessern und die operative Kapazität zu erhöhen.

Sie finden den Link zu CVE in den Shownotes.

 

NIS-2-Umsetzung in der Praxis

NIS-2 ist in der Wirtschaft angekommen, aber die praktische Umsetzung bleibt für viele Unternehmen anspruchsvoll. Das zeigt ein aktuelles Stimmungsbild des eco – Verband der Internetwirtschaft unter 38 Unternehmen aus dem eco-Umfeld. Die größten Herausforderungen bei der Umsetzung sehen die Befragten bei Dokumentationspflichten, Meldeprozessen mit 24-/72-Stunden-Regelungen sowie Risikoanalyse und Risikomanagement.

Das eco Stimmungsbild gibt einen Einblick in Unternehmen, die über eco Kanäle erreicht wurden und sich bereits mit NIS-2 und Cybersicherheit befassen. Selbst in diesem Umfeld wird ein deutlicher Unterstützungsbedarf sichtbar. Über ein Drittel der bereits beim BSI registrierten Unternehmen bewertet den Registrierungsprozess als „sehr kompliziert“, 53 Prozent als „in Ordnung“.

Der zusätzliche Aufwand für die Umsetzung von NIS-2 ist spürbar: Rund 15 Prozent der Antwortenden schätzen ihn als sehr hoch ein, jeweils rund 38 Prozent als hoch oder mittel. Kein Unternehmen gab an, dass durch NIS-2 kein zusätzlicher Aufwand entsteht.

Knapp 18 Prozent der teilnehmenden Unternehmen geben an, die NIS-2-Anforderungen bereits vollständig umgesetzt zu haben. Rund 36 Prozent befinden sich planmäßig in der Umsetzung, weitere knapp 18 Prozent berichten von Verzögerungen. Als besonders herausfordernd bewerten die Unternehmen vor allem Nachweispflichten und Audits mit rund 26 Prozent der Nennungen, das Meldewesen mit rund 25 Prozent sowie Risikoanalyse und Risikomanagement mit rund 21 Prozent.

Den Link zu den Ergebnissen gibt es in den Shownotes.

 

Risiko durch hybride Angriffe

Bei hybriden Auseinandersetzungen greifen staatliche Akteure, die oft im Verborgenen bleiben, mit Hilfe von klassischen analogen Mitteln oder Cyberattacken Wirtschaft, Verwaltung oder Infrastrukturen oder weitere Einrichtungen an. Die Angriffe können beispielsweise in Form von Brand- oder Sprengstoffanschlägen erfolgen, werden seit einigen Jahren aber zunehmend durch Cyberattacken oder auch mit Drohnen durchgeführt.

18 Prozent der Unternehmen halten eine ernsthafte Krise in Folge solcher Angriffe für äußerst wahrscheinlich, gut zwei Drittel (69 Prozent) halten es für eher wahrscheinlich. Nur 5 Prozent der Unternehmen halten ein solches Szenario für eher unwahrscheinlich, 3 Prozent für äußerst unwahrscheinlich. Das sind Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Befragung von Bitkom.

Drei Viertel (75 Prozent) der Unternehmen gehen davon aus, dass die politischen Spannungen zwischen Russland und der Nato oder den USA und Iran die Gefahr analoger und digitaler Angriffe auf Deutschland erhöhen. Nur ein Drittel (33 Prozent) sieht Deutschland aktuell gut auf Cyberangriffe vorbereitet.

Sie finden einen Link zur Umfrage in den Shownotes.

 

CSA-Initiative gegen katastrophale KI-Risiken

Die Cloud Security Alliance (CSA) hat neue Initiativen angekündigt, die Unternehmen bei der Vorbereitung auf die nächste Generation von KI-Sicherheitsherausforderungen unterstützen sollen, darunter das Projekt „Catastrophic Risk Annex“, eine neue Initiative zur Entwicklung auditierbarer Kontrollen zur Minderung katastrophaler KI-Risiken.

Die Initiative gilt als wichtiger Schritt, um Organisationen dabei zu helfen, immer leistungsfähigere KI-Systeme verantwortungsvoll zu entwickeln, einzusetzen und zu steuern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber neu auftretenden Risiken zu stärken.

Die CSA erklärt dazu: „Da KI-Systeme immer autonomer und leistungsfähiger werden, benötigen Unternehmen praxisnahe Rahmenbedingungen, die sie umsetzen können – und nicht nur theoretische Risikodiskussionen“

Sie finden einen Link zum „Catastrophic Risk Annex“ in den Shownotes.

 

Diese Folge wird Ihnen präsentiert von Marktplatz IT-Sicherheit und dem Angebot Cyber Risk Score (CRS)

Transparente Bewertung von Cyberrisiken auf einen Blick

Die zunehmende Digitalisierung vergrößert die Angriffsfläche für Unternehmen. KMU kapitulieren häufig vor „Alarmmüdigkeit“, also der Überforderung durch technische Schwachstellen-Metriken ohne geschäftlichen Kontext. Um Cyberrisiken greifbar und priorisierbar zu machen, hat das Institut für Internet-Sicherheit eine neue Webapplikation entwickelt. Eine Simulation für den Cyber Risk Score (CRS).

Sie finden den Link zu diesem Angebot von Marktplatz IT-Sicherheit sowie alle anderen Links zu dieser Folge in den Show-Notes zu diesem Podcast.

Das war es für heute.

Ich freue mich, wenn wir uns bald wieder hören und auf wichtigen Events sehen, besuchen Sie den Marktplatz IT-Sicherheit und abonnieren Sie diesen Podcast und die anderen Formate auf dem Marktplatz IT-Sicherheit! Hier werden Sie mit Sicherheit gut informiert! Das war Oliver Schonschek, der News-Analyst vom Marktplatz IT-Sicherheit

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Autor

  • Oliver Schonschek - News-Analyst

    News-Analyst und Projektleiter Forschungsbereich "IT-Sicherheit für KMU" beim if(is), Host bei Marktplatz-IT-Sicherheit bei den Formaten "5 Minuten IT-Sicherheit", "Drehpunkt IT-Sicherheit" und "Security News Podcast"

    Oliver Schonschek ist News Analyst, Podcast-Host, Anchor und Moderator, der sich auf Sicherheit, Datenschutz und Compliance spezialisiert hat. Er schreibt für führende Medien, ist Herausgeber und Autor mehrerer Lehrbücher und wurde mehrfach als einer der „Top 10 Global Thought Leaders and Influencers on Privacy“, „Top 10 Global Thought Leaders and Influencers on Security“, „Top 10 Global Thought Leaders and Influencers on Cybersecurity“ sowie als Influencer und Media Leader für Technologien wie Blockchain, AI, VR / AR und Mobile Computing ausgezeichnet.

Über diesen Podcast

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