Hacktivisten greifen auf kommerzielle DDoS-Dienste zurück

Hacktivisten

Hacktivisten greifen zunehmend auf kommerzielle DDoS-Dienste zurück.

Laut einer Kaspersky-Analyse greifen hacktivistische Gruppen zunehmend auf kommerzielle DDoS-Dienste zurück und professionalisieren damit ihre Angriffsmöglichkeiten. Neun von 148 untersuchten DDoS-Akteuren weisen Verbindungen zu Hacktivisten auf, während der Markt zugleich weiterwächst und sich zunehmend wie ein professionelles Dienstleistungsökosystem organisiert.

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Markt professionalisiert sich mit Aggregatoren, Reputationssystemen und neuen Ranglisten-Plattformen.
  • Akteure entwickeln eigene DDoS-Tools.
  • Anzahl neuer Anbieter könnte 2026 mindestens 25 Prozent über dem Vorjahr liegen.

Immer mehr professionelle DDoS-Anbieter

Allein im ersten Quartal 2026 identifizierten die Kaspersky-Experten 16 neue Anbieter – mit etablierten Vermarktungsmechanismen, Reputationssystemen und neuen Plattformen, die Angriffsleistungen öffentlich vergleichbar machen.

Hacktivistische Gruppen und kommerzielle Anbieter von Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS) arbeiten zunehmend zusammen, wie Kaspersky-Analysen zeigen. Unter 148 untersuchten Akteuren identifizierten die Experten neun mit Verbindungen zu Hacktivisten. Nach Einschätzung der Kaspersky-Experten zeigt dies, dass ideologisch motivierte Akteure verstärkt auf kommerziell verfügbare DDoS-Dienste zurückgreifen beziehungsweise mit entsprechenden Anbietern kooperieren.

Dabei profitieren beide Seiten: Hacktivistische Gruppen können ihre Angriffsmöglichkeiten erweitern, ohne sämtliche dafür benötigten Ressourcen selbst aufbauen zu müssen. DDoS-Anbieter wiederum erhalten durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen zusätzliche Sichtbarkeit. In den von Kaspersky analysierten Fällen wurden Angriffe öffentlich angekündigt und deren Ergebnisse anschließend über verbundene Kanäle verbreitet. Für die Anbieter kann dies als eine Art Leistungsnachweis dienen und ihre Dienste gegenüber potenziellen Kunden im Cybercrime-Umfeld attraktiver machen.

Nicht alle Hacktivisten sind auf externe Dienstleister angewiesen

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass nicht alle Hacktivisten auf externe Dienstleister angewiesen sind. Mindestens vier aktive hacktivistische Gruppen bewarben eigene DDoS-Tools. Die aktuelle Bedrohungslandschaft umfasst damit sowohl Gruppen, die eigene Angriffsinfrastrukturen und Werkzeuge entwickeln, als auch solche, die auf externe Anbieter zurückgreifen.

DDoS-Anbieter konkurrieren mit etablierten Marketing-Mechanismen

Insgesamt wächst der Markt für DDoS-Angebote. Allein im ersten Quartal 2026 identifizierten die Kaspersky-Experten 16 neue Akteure. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte die Zahl neuer Marktteilnehmer im Gesamtjahr 2026 diejenige von 2025 um mindestens 25 Prozent übertreffen. Trotz des Zustroms neuer Anbieter bleibt das Umfeld volatil.

Über alle untersuchten Akteure hinweg lag die durchschnittliche beobachtete Aktivitätsdauer – gemessen zwischen der ersten und letzten Werbung für DDoS-Fähigkeiten – bei rund zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig begingen die ältesten noch aktiven Anbieter bereits im vergangenen Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Kurzlebige Dienste existieren damit parallel zu etablierten Akteuren.

Als mögliche Treiber dieser Entwicklung identifizieren die Experten von Kaspersky unter anderem den zunehmenden Einsatz von DDoS-Angriffen, häufigere Kampagnen im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen sowie die Verfügbarkeit quelloffener Stresser-Tools, die die Einstiegshürden für neue Akteure senken.

Anbieter konkurrieren über Werbeökosystem um Aufmerksamkeit

Die Analyse von Kaspersky zeigt dabei, dass sich der Markt für DDoS-Dienstleistungen zunehmend professionalisiert. Anbieter konkurrieren über ein mehrstufiges Werbeökosystem um Aufmerksamkeit. Dazu zählen Aggregator-Webseiten, Messaging-Plattformen und Cybercrime-Foren.

Aggregator-Seiten fungieren dabei ähnlich wie durchsuchbare Online-Kataloge: Anbieter werden dort anhand angeblicher Funktionen, Vertrauenssignale oder Nutzerbewertungen gelistet und miteinander verglichen. Über Messaging-Kanäle verbreiten die Akteure regelmäßig Werbebeiträge, teilweise innerhalb eigens dafür eingerichteter Werbe-Threads. Gleichzeitig bleiben klassische Cybercrime-Foren ein fester Bestandteil dieses Ökosystems. Dort können Reputationssysteme die Glaubwürdigkeit von Anbietern stärken und beispielsweise die Identifizierung mutmaßlich betrügerischer Akteure unterstützen.

Ranglisten als Vermarktungsmechanismus

Als vergleichsweise neuen Vermarktungsmechanismus identifizierten die Experten von Kaspersky zudem Plattformen mit Ranglisten. Diese machen Sichtbarkeit zu einem Wettbewerbsfaktor, indem sie beispielsweise Telemetriedaten zu Angriffen darstellen und Anbieter auf diese Weise öffentlich vergleichbar machen.

„Der DDoS-Markt im Darknet funktioniert inzwischen in vielerlei Hinsicht ähnlich wie ein regulärer Online-Markt und konkurriert mit vertrauten Werbeinstrumenten um Aufmerksamkeit“, erklärt Kseniya Kudasheva, Analystin bei Kaspersky Digital Footprint Intelligence. „Dadurch erhalten Cyberkriminelle mehr Möglichkeiten, sichtbar zu bleiben und potenzielle Kunden zu erreichen. Für Unternehmen und Sicherheitsexperten ist es deshalb wichtig zu verstehen, wie sich dieses Ökosystem vermarktet. So lassen sich neue Akteure früher identifizieren, relevante Kanäle gezielter beobachten und mögliche Entwicklungen der Angriffsaktivitäten besser antizipieren.“

 

 

 

Häufige Fragen (FAQ)

Warum arbeiten Hacktivisten und kommerzielle DDoS-Anbieter zusammen?

Hacktivisten erweitern so kostengünstig ihre Schlagkraft, während die DDoS-Anbieter durch die öffentliche Aufmerksamkeit neue Kunden im Cybercrime-Umfeld anziehen.

Wie stark wächst der Markt für kommerzielle DDoS-Dienste aktuell?

Allein im ersten Quartal 2026 wurden 16 neue Anbieter entdeckt, wodurch die Zahl der neuen Marktteilnehmer im Gesamtjahr um mindestens 25 Prozent über dem Vorjahr liegen könnte.

Mit welchen Methoden professionalisiert sich die Vermarktung dieser illegalen Dienste?

Der Markt nutzt zunehmend etablierte Mechanismen wie Online-Kataloge, Reputationssysteme in Foren und neue Ranglisten-Plattformen, um Angriffsleistungen öffentlich vergleichbar zu machen.

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