Kognitive KI und mentale Privatsphäre: Vier Risiken.
Kognitive KI-Systeme können menschliche Gedanken zwar noch nicht direkt lesen, beeinflussen jedoch bereits heute Verhalten, Entscheidungen und öffentliche Meinungen durch personalisierte Inhalte, Empfehlungssysteme und datenbasierte Verhaltensanalysen. Die Cybersicherheitsexperten von Kaspersky warnen davor, dass mit der Weiterentwicklung dieser Technologien neue Cybersicherheitsrisiken entstehen.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Social Engineering wird komplexer und schwerer erkennbar:
- Kognitive Manipulation beeinflusst die öffentliche Meinung
- Gehirn-Computer-Schnittstellen treffen auf Internet der Dinge
Kognitive KI-Systeme können menschliche Gedanken zwar noch nicht direkt lesen, beeinflussen jedoch bereits heute Verhalten, Entscheidungen und öffentliche Meinungen durch personalisierte Inhalte, Empfehlungssysteme und datenbasierte Verhaltensanalysen. Die Cybersicherheitsexperten von Kaspersky warnen, dass mit der Weiterentwicklung dieser Technologien neue Cybersicherheitsrisiken entstehen. Diese reichen von raffinierterem Social Engineering und KI-gestütztem Profiling bis hin zu Manipulation im großen Maßstab und potenziellen Gefahren durch die Verbindung von Gehirn-Computer-Schnittstellen mit dem Internet der Dinge.
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend dafür eingesetzt, neuronale Signale zu analysieren, menschliches Verhalten zu modellieren und Entscheidungsmuster vorherzusagen. Damit vollzieht sich ein Paradigmenwechsel: weg von der reinen Datenverarbeitung hin zu Systemen, die menschliche Kognition interpretieren und aktiv mit ihr interagieren können.
Auch wenn KI-Systeme menschliche Gedanken derzeit noch nicht direkt lesen oder präzise entschlüsseln können, verfügen sie bereits über Möglichkeiten, die Verhalten beeinflussen und Entscheidungen durch Empfehlungssysteme, personalisierte Inhalte und umfassende Informationssteuerung lenken können. Dadurch entsteht ein reales und wachsendes Risiko im Bereich der Cybersicherheit und der soziotechnischen Manipulation – auch wenn extreme Zukunftsszenarien derzeit noch spekulativ erscheinen. Laut den Experten des Kaspersky Global Research and Analysis Teams (GReAT) werden insbesondere vier Sicherheitsrisiken mit der Weiterentwicklung kognitiver KI-Systeme zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Social Engineering wird komplexer und schwerer erkennbar
Large Language Models (LLMs) machen Social Engineering bereits heute deutlich ausgefeilter und überzeugender. Cyberkriminelle können täuschend echte E-Mails und Phishing-Webseiten erstellen und mithilfe kognitiver KI soziale Netzwerke sowie umfangreiche Datensätze analysieren, um hochgradig personalisierte Betrugsversuche zu entwickeln. Durch Verhaltensanalysen und psychologische Profile werden Angriffe zielgerichtet auf individuelle Schwächen zugeschnitten. Dadurch wirken Phishing-Kampagnen dynamischer, kontextbezogener und emotional überzeugender – und damit wesentlich glaubwürdiger.
Betroffen sind sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen – durch Datendiebstahl und Finanzbetrug. Derzeit macht Phishing rund 15 Prozent aller gängigen Angriffstechniken aus und dient häufig als Einstiegspunkt für komplexe Cyberangriffe wie APTs.
Kognitive KI und Manipulation beeinflusst die öffentliche Meinung
Neben individuellen Angriffen ermöglicht KI auch groß angelegte Operationen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. So können Hacktivisten oder APT-Gruppen kognitive Verzerrungen und emotionale Trigger innerhalb ganzer Bevölkerungsgruppen ausnutzen. Bereits heute zeigen soziale Medien, wie algorithmische Systeme Echokammern verstärken und gesellschaftliche Polarisierung verschärfen können. Gleichzeitig setzen politische Akteure und Unternehmen zunehmend auf Mikro-Targeting und Verhaltensanalysen, um Nutzer individuell anzusprechen.
Mit der Weiterentwicklung dieser Technologien verschwimmt die Grenze zwischen Verhaltensvorhersage und aktiver Verhaltenssteuerung zunehmend; es entstehen systemische Risiken – nicht nur für die individuelle Autonomie, sondern auch für gesellschaftliches Vertrauen.
KI-gestütztes Profiling erhöht Missbrauchspotenzial
KI-gestütztes Profiling entwickelt sich zunehmend zu einem mächtigen Werkzeug für Missbrauch. Durch die Zusammenführung von Daten aus sozialen Netzwerken, digitalem Verhalten und weiteren Quellen können hochdetaillierte psychologische Profile erstellt werden. Dadurch werden Doxxing und technologiegestützter Missbrauch erheblich verstärkt. Informationen, die zuvor fragmentiert vorlagen, lassen sich automatisiert verknüpfen, sensible Details offenlegen und zielgerichtete Angriffe werden in großem Maßstab möglich.
Hinzu kommt das Risiko von Vorhersage-Modellen: Menschen könnten künftig nicht mehr auf Grundlage ihres tatsächlichen Handelns bewertet werden, sondern anhand vorhergesagter Verhaltensmuster. Die Bedrohung verlagert sich damit von einem reinen Verlust der Privatsphäre hin zu einem Kontrollverlust über die eigene Identität und deren Verwendung durch Dritte.
Gehirn-Computer-Schnittstellen treffen auf das Internet der Dinge
Obwohl Gehirn-Computer-Schnittstellen (Brain-Computer Interfaces, BCIs) bislang überwiegend experimentell genutzt werden, kommen sie bereits heute zum Einsatz, um Menschen mithilfe der Interpretation neuronaler Signale Kommunikation zu ermöglichen. Die Forschung erweitert diese Technologien zunehmend über grundlegende Interaktionen hinaus – etwa zur Steuerung externer Geräte. Damit beginnen BCIs mit dem Internet der Dinge (IoT) zu verschmelzen. Neuronale Signale könnten künftig genutzt werden, um Smart-Home-Geräte, Assistenzsysteme oder medizinische Technologien direkt zu steuern.
Diese Entwicklung bietet zwar enormes Potenzial – insbesondere im Gesundheitswesen und im Bereich Barrierefreiheit –, eröffnet jedoch gleichzeitig neue Cybersicherheitsrisiken. Kompromittierte Systeme könnten unautorisierte Aktionen über neuronale Schnittstellen ermöglichen, Signale abfangen oder Geräte manipulieren. Dadurch betreffen Sicherheitsrisiken künftig nicht mehr nur digitale Infrastrukturen, sondern auch physische Systeme und menschliche Handlungsfähigkeit.
Zusammenarbeit und Regulierung als wichtige Schutzfaktoren
„Auch wenn kognitive KI noch am Anfang steht und von einer breiten Anwendung entfernt ist, entwickelt sie sich mit hoher Geschwindigkeit“, erklärt Noushin Shabab, Lead Security Researcher im Global Research and Analysis Team (GReAT) von Kaspersky. „Fortschrittliche Mensch-KI-Interaktionsmodelle werden sich in den kommenden Jahrzehnten deutlich verbreiten. Mit ihrer Nutzung steigen jedoch auch die Risiken – und darauf müssen wir vorbereitet sein.“
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Cybersicherheitsexperten, KI-Entwicklern, Wissenschaft, Politik und Regulierungsbehörden notwendig.


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