CRA-Compliance: Ohne SBOM droht das Verkaufsverbot

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SBOM

SBOM ist eine wichtige Grundlage für CRA-Compliance.

Die sogenannte “Software-Stückliste”, im Fachjargon “Software Bill of Materials” oder kurz SBOM genannt, ist ein wichtiges Instrument für das Schwachstellenmanagement. Sie unterstützt Hersteller dabei, die Anforderungen des EU Cyber Resilience Act (CRA) zu erfüllen.

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Onekey-CEO Jan Wendenburg: “Die deutsche Industrie ist in Sachen Cyber Resilience Act auf dem richtigen Weg, doch bei der Umsetzung besteht weiterhin Handlungsbedarf.”
  • “Mit der zunehmenden Nutzung von KI bei Cyberattacken könnten künftig auch industrielle Maschinen und Anlagen verstärkt ins Visier geraten.”
  • Das ist eine zentrale Aussage des aktuellen ” IoT & OT Cybersecurity Report 2026“. Den Bericht hat das Düsseldorfer Cybersicherheitsunternehmen Onekey auf Grundlage einer Umfrage unter 200 deutschen Industrieunternehmen herausgegeben.

SBOM schafft Transparenz

Eine SBOM schafft Transparenz darüber, welche Softwarebestandteile und Abhängigkeiten in einem digitalen Gerät enthalten sind. Hat man eine Sicherheitslücke entdeckt, können Hersteller damit schnell feststellen, welche Produktversionen betroffen sind. Sie zeigt auch, welche Risiken bestehen und wo ein Update erforderlich ist. Zugleich liefert sie eine wichtige Grundlage für die vom CRA verlangte Schwachstellenbehandlung und technische Dokumentation.

“Eine vollständige und aktuelle Software Bill of Materials ist für Hersteller von Produkten mit digitalen Komponenten eine wichtige Grundlage, um die Anforderungen des Cyber Resilience Act zu erfüllen”, stellt Jan Wendenburg, CEO von ONEKEY, fest.

Milliarden vernetzte Geräte sind betroffen

Betroffen ist ein enorm breites Spektrum an Hardware- und Softwareprodukten mit digitalen Elementen – von vernetzten Geräten und Maschinen bis hin zu industriellen Steuerungssystemen und Software. Die in diesen Geräten verwendete Software ist künftig gemäß EU Cyber Resilience Act lückenlos zu erfassen. Sie ist auf eventuelle Einfallstore für Hackerangriffe (Schwachstellen) zu prüfen. Für Produkteinheiten, die bereits im Einsatz sind, besteht zwar Bestandsschutz auch ohne CRA-Compliance, sofern sie nicht wesentlich verändert werden, aber ab dem 11. Dezember nächsten Jahres dürfen keine neuen digitalen Produkte mehr in der Europäischen Union in Verkehr gebracht werden, die die CRA-Anforderungen nicht erfüllen. Schon ab diesem Herbst besteht die Pflicht, aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle zu melden. Allein in Deutschland betrifft die Regulierung nach Branchenschätzungen mehrere zehntausend Hersteller, Importeure und Händler von Geräten, Maschinen und Anlagen mit digitalen Komponenten.

Noch ist die Software Bill of Materials in der Praxis nicht flächendeckend etabliert, wie der “IoT & OT Cybersecurity Report 2026” zeigt. Laut Umfrage haben lediglich 18 Prozent der Industrieunternehmen eine solche Software-Stückliste bereits für alle ihre betroffenen Produkte erstellt. 39 Prozent haben die in ihren Geräten, Maschinen und Anlagen verwendeten Programme wenigstens teilweise inventarisiert. Ein knappes Viertel (24 Prozent) hat angegeben, keine SBOM erstellt zu haben.

SBOM: Vollständigkeit und Aktualität sind kritisch

Doch es geht nicht nur darum, dass eine SBOM existiert, sondern auch um ihre Qualität und Aktualität. Der CRA verlangt eine SBOM in einem gängigen, maschinenlesbaren Format, die mindestens die Top-Level-Abhängigkeiten des Produkts abbildet. Darüber hinaus müssen Hersteller Schwachstellen und Komponenten ihrer Produkte ermitteln und dokumentieren. Wie weit die deutsche Industrie in dieser Hinsicht bereits vorangekommen ist, wurde ebenfalls im Rahmen der ONEKEY-Umfrage untersucht. Die Ergebnisse zeigen weiterhin deutlichen Handlungsbedarf. Die Frage, ob ihre Software-Stücklisten die folgenden Komponenten enthalten, bejahten 34 Prozent der Befragten bei “Programmen”, 26 Prozent bei “Versionsnummern zur eindeutigen Identifizierung”, 21 Prozent bei “Frameworks”, 18 Prozent bei “Bibliotheken” und 17 Prozent bei “Abhängigkeiten”. Auch bei den ergänzenden Informationen sind die Angaben eher spärlich: bekannte Schwachstellen (13 Prozent), Lizenzinformationen (30 Prozent), Urheberangaben (19 Prozent).

ONEKEY-CEO Jan Wendenburg erläutert: “Die größte Herausforderung bei einer SBOM besteht darin, alle tatsächlich im Gerät enthaltenen Softwarebestandteile vollständig, eindeutig und aktuell zu erfassen. Viele Programme greifen auf zahlreiche Bibliotheken, Fremdkomponenten und weitere Abhängigkeiten zurück, die sich während der Entwicklung oder durch Updates verändern können. Hinzu kommen unvollständige Angaben von Zulieferern und unterschiedliche Dokumentationsformate. Eine SBOM muss deshalb für jede Produktversion neu geprüft und kontinuierlich aktualisiert werden. Andernfalls ist sie schnell veraltet und kann damit nicht ausreichend unterstützen, betroffene Produkte bei neu entdeckten Schwachstellen zuverlässig zu identifizieren.”

 

 

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist eine SBOM für den Cyber Resilience Act (CRA) so wichtig?

Sie schafft eine lückenlose digitale Stückliste aller Softwareteile, mit der Hersteller Sicherheitslücken sofort aufspüren und beheben können.

Ab wann wird die CRA-Pflicht für neue Produkte in der EU ernst?

Ab dem 11. Dezember 2027 dürfen keine neuen digitalen Produkte mehr ohne CRA-Compliance auf den Markt gebracht werden.

Wie steht die deutsche Industrie aktuell bei der Umsetzung da?

Es besteht erheblicher Handlungsbedarf, da bisher nur 18 Prozent der Industrieunternehmen eine vollständige SBOM für alle ihre Produkte besitzen.

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