Agentische KI als Kollegin, die niemals schläft

Jonas Spieckermann,    |
Agentische KI als Kollegin, die niemals schläft

Agentische KI als Kollegin, die niemals schläft.

Die IT-Umgebungen von Unternehmen sind über die Jahre gewachsen und müssen inzwischen auch automatisierten, KI-gesteuerten Angriffen begegnen. Für die Teams im Security Operations Center (SOC) wird es immer schwerer, Schritt zu halten. Es gilt daher, Feuer mit Feuer zu bekämpfen: Agentische KI kann die Routine übernehmen, Warnungen priorisieren und den Fachleuten den Rücken freihalten.

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Angesichts zunehmender automatisierter Cyberangriffe entlastet agentische KI die SOC-Teams, indem sie als unermüdliche digitale Kollegin Warnmeldungen rund um die Uhr priorisiert und vorstrukturiert.
  • Anstatt Sicherheitsanalysten zu ersetzen, übernimmt diese KI Routineaufgaben und ermöglicht den Fachkräften, sich als strategische Entscheider auf kritische Abwehrmaßnahmen zu konzentrieren.
  • Diese Entwicklung wandelt das SOC in eine hybride Struktur, in der menschliche Expertise durch automatisierte KI-Unterstützung skaliert wird.

Ersetzt KI eines Tages die Sicherheitsanalysten?

Künstliche Intelligenz verändert die Welt der IT-Security derzeit rasant, und doch dreht sich die einschlägige Debatte meist noch um dieselbe alte Frage: Ersetzt KI eines Tages die Sicherheitsanalysten? In Wahrheit geht es längst nicht mehr darum, ob KI die Analysten ablöst, sondern darum, wie sie ihnen den Rücken freihält. Laut der Cybersecurity Workforce Study 2025 von ISC2 setzen bereits 69 Prozent der befragten Unternehmen KI-Werkzeuge im täglichen Sicherheitsbetrieb ein. Kein Wunder, denn die Security Operations Center müssen immer mehr Warnmeldungen und komplexere Bedrohungen bewältigen, während die Teams nicht immer im gleichen Tempo mitwachsen. Kapazität entsteht daher weniger durch neue Stellen als durch eine klügere Verteilung der Aufgaben und das gezielte Verheiraten von Automatisierung und menschlicher Expertise.

Agentische KI: Vom Werkzeug zur digitalen Kollegin

agentische KIModerne Sicherheitsplattformen führen die einzelnen Schutzebenen längst zusammen. Sie korrelieren, was Endpunktschutz, Firewall, Netzwerküberwachung, Identitätsmanagement und Cloud-Dienste jeweils für sich beobachten, und binden über offene Schnittstellen auch fremde Systeme ein: Netzwerkdaten anderer Hersteller, Endpoint-Lösungen dritter Anbieter oder Telemetrie aus Microsoft 365. Aus vielen isolierten Inseln wird so ein gemeinsames Lagebild. Das Ergebnis ist allerdings selten eine kurze, klare Ansage, sondern häufig eine lange Liste an Vorkommnissen, die jemand sichten, priorisieren und in Handlungen übersetzen muss.

Genau hier kommt agentische KI ins Spiel. So ersetzt die im Mai 2026 von WatchGuard vorgestellte KI-Assistentin „Rai“ nicht die Korrelation, die im Hintergrund längst läuft, sondern macht deren Ergebnisse handhabbar. Während klassische KI bereits Vorschläge erstellt, die der Mensch ausführen muss, arbeitet eine agentische KI kontinuierlich, sichtet die aufbereiteten Vorfälle selbstständig und schlägt die nächsten Schritte vor.

Aus der langen Liste wird eine kurze: Wer sich morgens mit dem ersten Kaffee an den Rechner setzt, bekommt keine Wand aus Alarmmeldungen präsentiert, sondern die drei, vier Aktionen, die jetzt zählen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt bis zur Gegenmaßnahme, etwa dem Isolieren eines Endgeräts oder dem Stoppen einer verdächtigen Netzwerkverbindung. Und weil die KI-Kollegin weder Schlaf noch Wochenende kennt, profitieren Security Operations Center von lückenloser Wachsamkeit rund um die Uhr, die sich mit Personal allein kaum bezahlbar abbilden lässt.

Gebündelte Intelligenz ersetzt Mehrarbeit

Dabei ist die agentische KI keine allwissende Superintelligenz, die man allem überstülpt und die alles noch einmal von vorn durchrechnet. Die eigentliche Intelligenz steckt bereits in den einzelnen Sicherheitslösungen: Sie verbessern sich auf Basis von Erfahrung, erkennen Anomalien automatisiert und stellen sich mit der Zeit besser auf eine Umgebung ein, ganz ohne dass jemand sie täglich von Hand nachjustieren müsste. Die agentische Schicht ist der Zugang zu diesen vorhandenen Automatismen, gebündelt an einer Stelle, statt verteilt über ein Dutzend Oberflächen. WatchGuard lässt seine agentische KI Rai auf der bestehenden Unified Security Platform aufsetzen und von ihr eine tägliche, priorisierte Übersicht formen.

So verschiebt sich die Rolle der Analysten, ohne dass sie verschwindet. Weil die KI die Routinearbeit übernimmt, kann sich der Mensch darauf konzentrieren, die wichtigen Entscheidungen zu treffen und im Ernstfall einzugreifen. Aus dem Sachbearbeiter, der Meldung um Meldung abarbeitet, wird ein Dirigent, der das Zusammenspiel überwacht und dort ansetzt, wo es auf ein geschultes Urteil ankommt.

Agentische KI: Was heute schon funktioniert und was möglich ist

Agentische KI entwickelt sich von der Analyse zur Delegation komplexer Routinetätigkeiten, wobei der Mensch durch verfeinernde Freigaben die Kontrolle behält. Dieser schrittweise Automatisierungsprozess skaliert den Betrieb und begegnet der wachsenden Bedrohung durch KI-gestützte Cyberangriffe. Das SOC der Zukunft ist ein hybrides Modell aus menschlichen Analysten und KI-Unterstützung.

Autoren

  • Jonas Spieckermann ist als Manager Sales Engineering Central Europe bei WatchGuard Technologies für den technologischen Wissenstransfer über alle Anspruchsgruppen im DACH-Raum und Osteuropa hinweg zuständig. Seit fast 20 Jahren befasst er sich mit Lösungen im Bereich IT-Sicherheit, die einen effektiven Schutz vor modernsten Bedrohungen ermöglichen. Für WatchGuard ist er seit 2012 tätig.

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