Das AI SOC erkennt Ransomware nicht von selbst

Cristina Anghel,    |
Das AI SOC erkennt Ransomware nicht von selbst

Das AI SOC erkennt Ransomware nicht von selbst.

„Wie viele Analysten braucht das SOC-Team noch angesichts des Einzugs von künstlicher Intelligenz?“ Die Frage suggeriert die Antwort: Das AI-basierte  Security Operations Center erfordert weniger Menschen. Leider sind die Unternehmen, die diese Frage stellen, meist genau diejenigen, die ihre Telemetrielücken, ihre ungesicherten Endgeräte oder ihre unzureichende MFA-Abdeckung noch nicht angegangen sind. Sie stellen sich vor, dass Künstliche Intelligenz Probleme behebt, die sie gar nicht erkennen kann.

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Erfahrene Analysten stoppen Angriffe durch verhaltensbasierte Analysen bereits in frühen Phasen der Killchain. KI erkennt Ransomware oft erst spät.
  • Der Erfolg von KI hängt vollständig von einer soliden Datenbasis ab. Er kaschiert keine grundlegenden Sicherheitslücken.

Ersetzt KI menschliche SOC-Analysten?

Die derzeit vorherrschende Werbebotschaft im Markt lautet, dass KI menschliche SOC-Analysten ersetzen wird. Diese Sichtweise ist nicht nur falsch. Sie ist operativ gefährlich, weil sie Organisationen nahelegt, zu streichen, was KI erst nützlich macht: Telemetrie, geschäftlicher Kontext und das Urteilsvermögen der Analysten.

Die Organisationen, die im SOC am meisten von KI profitieren, sind diejenigen, welche über die notwendigen Grundlagen verfügen. Organisationen, die dagegen die Grundlagen überspringen wollen und direkt KI-Tools kaufen, kämpfen weiterhin mit denselben Sichtbarkeitslücken. Nur dass sie jetzt ein Dashboard haben, das diese Lücken schneller verarbeitet.

Was übernimmt KI im SOC?

Kein Zweifel, KI hat echte, messbare operative Veränderungen in der Arbeitsweise von SOC-Teams bewirkt. Die Korrelation von Telemetriedaten, für die früher ein Analyst Ereignisse aus Dutzenden von Quellen manuell verknüpfen musste, erscheint nun als priorisierter Alarm. Auswertungen, deren Erstellung aus Rohprotokollen früher eine halbe Stunde dauerte, sind nun in Sekundenschnelle fertig.

Die Reduzierung von Fehlalarmen und Rauschen ist erheblich: Der Anteil der Alarme, die menschliche Aufmerksamkeit erfordern, hat sich verringert: Diese Verschiebung macht einen riesigen Unterschied, wenn ein Team Hunderte von Umgebungen gleichzeitig überwacht.

KI in begegrenzten Umgebungen

In klar abgegrenzten Umgebungen kann KI vordefinierte Eindämmungsmaßnahmen ausführen. Das gelingt ohne auf einen Analysten warten zu müssen. Dazu gehört beispielsweise, einen bekanntermaßen kompromittierten Endpunkt anhand spezifischer verhaltensbasierter Auslöser zu isolieren, eine Passwortzurücksetzung für ein angegriffenes Konto in die Warteschlange zu stellen oder die Ausführung eines Prozesses zu blockieren, der einer festgelegten Verhaltenssignatur entspricht.

Ehrlich beschrieben, ist die Stärke von KI dies: Sie übernimmt die Aufgaben, bei denen die Antwort bereits bekannt ist, die Unsicherheit gering ist und die betrieblichen Auswirkungen eines Fehlers begrenzt sind: Anreicherung, Korrelation, Priorisierung, vordefinierte Reaktion. Alles innerhalb dieser Grenzen ist in einem modernen SOC tatsächlich KI-Terrain.

Woran scheitert KI?

Warum ist die Ransomware-Binärdatei das falsche Erkennungsziel?

Doch die schädlichste Variante des Verkaufsarguments für das AI SOC fokussiert sich darauf, dass die KI Malware bei der Ausführung abfangen würde. Das Problem dieses Konzepts: Der Einsatz der Ransomware ist eines der letzten Ereignisse in einem Ransomware-Vorfall. Bevor die Binärdatei ausgeführt wird, hat sich der Angreifer bereits seit Stunden, Tagen oder noch länger in der Umgebung eingenistet.

Er hat auf das Netzwerk zugegriffen, es gescannt, Speicherorte für Anmeldedaten identifiziert. Er hat diese ausgelesen, sich lateral zu den benötigten Systemen bewegt und sich vergewissert, dass die Umgebung bereit ist. Wenn die Ransomware-Binärdatei auftaucht, ist die Untersuchung weitgehend abgeschlossen. Die entscheidende Frage für die betroffene Organisation ist tatsächlich, ob die Eindämmung vor oder nach der Verschlüsselung erfolgt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Der folgende Fall aus der Praxis veranschaulicht dies: Wir identifizierten verdächtige Aktivitäten des Advanced IP Scanners, die aus einem temporären Benutzerverzeichnis heraus liefen. Diese Beobachtung allein sieht nach Rauschen aus, denn Netzwerkadministratoren nutzen Advanced IP Scanner regelmäßig.

Aber das SOC-Team hatte bereits mehrere Ransomware-Vorfälle untersucht, die genau mit dieser Kombination begannen: Ein VPN-Zugriff auf die Umgebung, gefolgt von einem internen Scan mit einem Tool. Diese lief von einem ungewöhnlichen Pfad au. Wir wussten, wohin diese Abfolge führt. Denn der Gesamtverlauf der Akira-Ransomware-Angriffe in mehreren mittelständischen Unternehmensumgebungen verschiedener Branchen folgte derselben Killchain:

  • VPN-Zugriff
  • Internes Scannen
  • Remote-Abfrage von Bereichen der Registry, die Anmeldedaten enthalten
  • Credential Dumping (Auslesen von Anmeldedaten aus dem Arbeitsspeicher oder Systemdateien)
  • RDP-Bewegung
  • Einsatz der Ransomware

…das Ergebnis?

Dies sind also sechs Schritte. Die Erkennung, die den Schaden verhinderte, erfolgte im zweiten Schritt, nicht im sechsten: Wir haben den betroffenen Host sofort isoliert, ließen den externen VPN-Zugriff deaktivieren, den Patch-Status überprüfen und privilegierte Anmeldedaten zurücksetzen. Die Folge: Die Ransomware wurde nie eingesetzt und nie ausgeführt, weil der Analyst das Ablaufmuster bereits im zweiten Schritt und nicht erst im letzten erkannt hat.

Analysten haben einen profunden Erfahrungsschatz

Das ist möglich, wenn Analysten denselben Ablauf schon mehrfach untersucht haben: bei verschiedenen Kunden, in verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen Architekturen. Wir nutzen dieselben operativen Erkenntnisse auch bei neueren Social-Engineering-Techniken, darunter ClickFix-Angriffe.

Was Signaturabdeckung nicht erkennen kann

Signaturabdeckung und Handlungsempfehlungen von Anbietern halten nicht mit modernen Angreifern Schritt. Genau in dieser zeitlichen Lücke beweist die verhaltensbasierte Erkennung ihren Wert – und genau hier bricht das Denkmuster „KI ersetzt Analysten“ am deutlichsten zusammen.

Und noch ein Praxisbeispiel

Ein weiteres Beispiel: Am 18. Juli 2025 identifizierte das Bitdefender MDR-Team (Managed Detection and Response) verdächtige, auf einem lokalen SharePoint-Server verschlüsselte PowerShell-Aktivitäten. Diese versuchten, bösartigen Code im SharePoint-Webverzeichnis einzuschleusen. Die beiden relevanten Sicherheitslücken waren bereits am 8. Juli von Microsoft veröffentlicht worden. Was sich jedoch noch nicht herumgesprochen hatte, war die Erkenntnis, dass Angreifer diese Sicherheitslücken in der Praxis aktiv ausnutzen. Zwar erfolgte die Erkennung zehn Tage nach der Offenlegung der Schwachstelle, doch lag sie vor der großen Nutzungswelle und vor dem Zeitpunkt, zu dem Signaturen und zielgenaue Empfehlungen zum Umgang mit ihr vorhanden waren. Das ist das entscheidende Zeitfenster: die Lücke zwischen der CVE-Veröffentlichung und dem Moment, in dem die Sicherheits-Community allgemein anerkennt, dass Angreifer die Schwachstelle tatsächlich ausnutzen. Diese Lücke bemisst sich typischerweise in Tagen bis Wochen. Verhaltensbasierte Erkennung basiert auf Hinweisen, für die man die spezifische Schwachstelle nicht vorher kennen muss. Das ist ihre Stärke gegenüber signatur-basierten Werkzeugen.

Was die KI dem SOC-Analysten liefert

Ein drittes Beispiel: Dieser Fall betraf eine Aktivität, die die KI zunächst als ein wahrscheinlich legitimes administratives Verhalten einstufte, denn die Prozesse betrafen signierte Windows-Binärdateien. Es gab keine offenkundige Ausführung von Malware. Doch der Analyst erkannte, dass die Aktivität einen Remote-Zugriff auf sensible Bereiche der Registry beinhaltete, die im Zusammenhang mit Anmeldedaten stehen. Die Frage, die die KI nicht beantworten konnte, lautete: Passt das zur normalen Umgebung dieses Kunden? Der Analyst dagegen verfügte über den operativen Kontext, um zu erkennen, dass dies nicht der Fall war. Ergo: Der Host wurde isoliert und der Vorfall wurde als Vorfall mit Zugriff auf Zugangsdaten behandelt.

KI übernimmt die Korrelation, der Analyst die Entscheidung

So läuft es, wenn die Ebene, auf der Vorfälle beurteilt werden, wie vorgesehen funktioniert. Die KI übernimmt die Korrelation, die Rauschunterdrückung und die erste Klassifizierung. Der Analyst trifft die Entscheidung, für die es notwendig war, zu verstehen, was das Verhalten im spezifischen Kontext dieses Unternehmens und dieser Umgebung bedeutete.

Es gibt also eine klare Grenze im SOC, an der die Verantwortung der KI aufhört und die eines Menschen beginnt. Diese Grenze wird durch zwei Variablen definiert: operative Auswirkungen und Unsicherheit. Wenn beide gering sind, übernimmt die KI die Aufgabe. Wenn eine davon hoch ist, geht die Aufgabe an einen Analysten. Diese Grenze lässt sich nicht wegentwickeln.

 

Häufige Fragen (FAQ)

Wo liegen die echten Stärken von KI im Security Operations Center (SOC)?

Sie übernimmt Routineaufgaben bei geringer Unsicherheit, wie Datenkorrelation, Priorisierung von Alarmen und automatisierte Erst-Eindämmungen.

Warum scheitert eine KI oft bei der Früherkennung von Ransomware?

Weil KI meist erst die finale Schaddatei blockiert, während menschliche Analysten die Vorbereitungen des Angreifers (wie internes Scannen) viel früher erkennen.

Was ist die größte Gefahr beim reinen Vertrauen auf KI-Tools?

Dass Unternehmen IT-Grundlagen wie MFA und Patch-Management vernachlässigen und die KI ohne geschäftlichen Kontext ohnehin blind für gezielte Angriffe bleibt.

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  • Bitdefender | Premium
    : Anbieter

    Bitdefender ist weltweit führender Anbieter von Cybersicherheitslösungen zur Abwehr, Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen. Bitdefender schützt Millionen von Endverbrauchern sowie IT-Umgebungen in Unternehmen und im öffentlichen Sektor. Die Lösungen sind in hohem Maße anerkannt bei der Beseitigung von Bedrohungen, dem Schutz der Privatsphäre, digitaler Identitäten und Informationen sowie der Stärkung der Resilienz von IT gegenüber Cyberbedrohungen. Dank zahlreicher Investitionen in Forschung und Entwicklung entdecken die Bitdefender Labs minütlich Hunderte neuer Bedrohungen und validieren täglich Milliarden von Bedrohungsanfragen. Bitdefender hat in seiner Geschichte bedeutende Innovationen in den Bereichen Anti-Malware, IoT-Sicherheit, Verhaltensanalyse und künstliche Intelligenz entwickelt. Seine Technologie wird von mehr als 180 der weltweit bekanntesten Technologiemarken lizenziert. 2001 gegründet hat Bitdefender Kunden in über 170 Ländern mit Niederlassungen auf der ganzen Welt.

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