Europol warnt: Quantenrisiko erfordert Krypto-Agilität.
Europol mahnt zu frühzeitigem Handeln, um Kryptowährungen und sensible Daten vor Bedrohungen durch Quantencomputer zu schützen. Dazu veröffentlichte Europol zwei Berichte zu den sicherheitspolitischen Herausforderungen des Quantencomputings und ruft Organisationen, politische Entscheidungsträger und die Kryptowährungsbranche dazu auf, jetzt mit den Vorbereitungen zu beginnen.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Europol warnt vor den zukünftigen Gefahren des Quantencomputings.
- Die Behörde fordert Organisationen sowie Regierungen auf, sensible Daten und Kryptowährungen bereits heute vor künftigen Entschlüsselungsangriffen zu schützen.
- Da langlebige Datenbestände durch das „Jetzt sammeln, später entschlüsseln“-Prinzip schon jetzt gefährdet sind, wird ein frühzeitiger Übergang zu quantenresistenten Verfahren wie dem hybriden Schlüsselaustausch dringend empfohlen.
Bericht von Europol zum Thema Quantencomputing
Der Bericht von Europol zum Thema Quantencomputing zeigt keine eindeutigen Hinweise auf, dass Angriffe nach dem Prinzip „Jetzt sammeln, später entschlüsseln“ derzeit in großem Umfang stattfinden. Dennoch stuft er das Risiko für große Organisationen als mittel bis hoch und für Regierungen als hoch ein. Das Risiko korreliert mir der Art der Datenaufbewahrung.
Organisationen speichern personenbezogene Daten, Finanzdaten und Verträge gemäß regulatorischen Vorgaben wie der DSGVO, DORA und NIS2. Diese Datenbestände bleiben über Jahre hinweg verschlüsselt und gespeichert. Ein Angreifer, der diese verschlüsselten Daten heute sammelt, kann sie ab der Verfügbarkeit eines leistungsfähigen Quantencomputers entschlüsseln. Hier ist der Zeitrahmen entscheidend.
Daten sind bereits heute gefährdet
Laut dem Mosca-Theorem, auf das der Bericht Bezug nimmt, sind alle Daten, deren Nutzungsdauer zuzüglich der Migrationszeit den Zeitpunkt der Verfügbarkeit eines leistungsfähigen Quantencomputers übersteigt, bereits gefährdet.
Das bedeutet, dass das Risiko bereits heute besteht und nicht erst dann, wenn Quantencomputer verfügbar sind. Daher stellt sich für die meisten Organisationen die Frage, ob sie die Verschlüsselung zum Schutz ihrer langlebigen sensiblen Daten noch vor dem Zeitpunkt der Verfügbarkeit migrieren.
Ein hybrider Schlüsselaustausch bietet einen sinnvollen Zwischenschritt, indem er quantenresistente Algorithmen mit bewährter elliptischer-Kurven-Kryptografie kombiniert. Die Lektion daraus ist, dass Krypto-Agilität wichtiger als die Wahl des perfekten endgültigen Algorithmus ist. Denn die Algorithmen werden sich mit fortschreitender Forschung und Entwicklung weiterhin verändern.
Wie so oft: Schritt für Schritt
Der erste Schritt ist einfach. Organisationen brauchen eine Übersicht darüber, wo Public-Key-Kryptografie ihre Daten schützt, welche Datenbestände langlebig sind und welche Anbieter einen glaubwürdigen Migrationspfad aufzeigen können. Der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist jetzt, solange das Risiko theoretisch ist und die Handlung noch in der Kontrolle der Organisation liegt.
Häufige Fragen (FAQ)
Angreifer verfolgen die Strategie „Harvest Now, Decrypt Later“, also jetzt sammeln und später entschlüsseln. Sie stehlen schon heute verschlüsselte, langlebige Daten wie Verträge oder Regierungsgeheimnisse und speichern sie. Sobald ausreichend starke Quantencomputer existieren, entschlüsseln sie diese Daten nachträglich.
Das Theorem addiert zwei Zeitspannen, nämlich wie lange Daten geheim bleiben müssen und wie lange die Umstellung auf quantensichere Verfahren dauert. Übersteigt diese Summe die Zeit bis zum ersten leistungsfähigen Quantencomputer, sind die Daten bereits heute gefährdet.
Organisationen müssen Krypto-Agilität erlangen. Quantenresistente Algorithmen werden sich durch die Forschung noch verändern. Entscheidend ist daher weniger, sofort das perfekte Endverfahren zu finden, als Systeme so flexibel zu gestalten, dass sich Verschlüsselungsalgorithmen jederzeit schnell und ohne Systembruch austauschen lassen.



