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Weniger ist Mehr: Zero Trust (Teil 1)

Mert Ayas,   Volkan Barut,   Dennis Stroz,    |
T.I.S.P.-Zertifikat Weniger ist Mehr Zero Trust Best Practices
Bild: PIRO4 @Pixabay

Weniger ist Mehr: Zero Trust (Teil 1)

Die ständig wachsenden Bedrohungen im digitalen Zeitalter erfordern einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie wir IT-Sicherheit betrachten. Traditionelle IT-Sicherheitsmodelle, die auf dem Prinzip des Vertrauens basieren, reichen nicht mehr aus, um mit den komplexen Angriffen und raffinierten Cyber-Bedrohungen von heute Schritt zu halten. Hacker entwickeln immer neue Systeme und Techniken, um in andere Systeme einzudringen.

Mit IT-Sicherheitssystemen, die auf Netzwerkperimeter setzen, ist es schwierig, sich rechtzeitig darauf vorzubereiten. IT-Sicherheitsmodelle, die auf der Deperimeterisierung basieren, können sich oftmals effizienter davor schützen. Innerhalb dieses Kontextes gewinnt das Zero-Trust-Modell zunehmend an Bedeutung, da es einen umfassenderen Ansatz für die IT-Sicherheit von Netzwerken, Systemen und Daten bietet. Dieser Artikel markiert den Auftakt einer Trilogie, die sich eingehend mit dem Zero-Trust-Paradigma befasst und es in den aktuellen Kontext der IT-Sicherheit einbettet.

Die Grundidee von Zero Trust

Zero Trust basiert auf einem einfachen, aber effektiven Konzept: Vertrauen ist keine Option. Weniger ist Mehr. Im Gegensatz zu herkömmlichen IT-Sicherheitsmodellen, die darauf abzielen, bestimmten Netzwerksegmenten oder Nutzergruppen zu vertrauen, geht Zero Trust davon aus, dass kein Bereich oder keine Person automatisch als sicher angesehen werden kann. Stattdessen wird jedes Gerät, jeder Nutzer und jede Netzwerkkomponente als potentiell unsicher betrachtet, unabhängig von ihrem Standort im Netzwerk.

Essenzielle Schlüsselprinzipien

Die Schlüsselprinzipien bei Zero Trust bilden das Rückgrat dieser Cybersicherheitsstrategie. Diese Prinzipien sind darauf ausgerichtet, herkömmliche Vorstellungen von Netzwerksicherheit herauszufordern und einen rigorosen Ansatz zu etablieren, der die Grundidee von Zero Trust realisiert.

  • Verifizierung auf jedem Schritt: Zero Trust erfordert eine kontinuierliche Authentifizierung und Autorisierung für jede Interaktion. Dies bedeutet, dass Nutzer und Geräte ihre Identität bei jeder Verbindung neu nachweisen müssen, unabhängig davon, ob sie sich innerhalb oder außerhalb des Unternehmensnetzwerks befinden.
  • Minimierung von Berechtigungen (Least Privilege): Die Einschränkung von Zugriffsrechten auf das absolute Minimum, das für die Erfüllung der Aufgaben erforderlich ist, stellt eine grundlegende Basis für Zero Trust dar. Weniger ist Mehr. Dadurch wird das Potential für unbefugten Zugriff auf die Daten und Systeme erheblich reduziert. Dabei wird sich nicht nur auf Nutzer beschränkt, denn auch Geräte sind mögliche IT-Sicherheitsgefahren. Dieses Prinzip gilt ohnehin schon als Best Practice, wird aber oft vernachlässigt, sei es aus Komplexitätsgründen oder aus Bequemlichkeit.
  • Mikrosegmentierung (Micro Segmentation): Mikrosegmentierung teilt ein Netzwerk in kleine, isolierte Abschnitte auf, wobei für jeden Abschnitt eigene Sicherheitsrichtlinien gelten. Dadurch wird die IT-Sicherheit erhöht, indem mögliche Bedrohungen auf den kompromittierten Bereich beschränkt bleiben, ohne den Rest des Netzwerks zu beeinträchtigen. Dieses Konzept ähnelt Isolationszimmern in Krankenhäusern, welche die Ausbreitung von Infektionen auf einen Bereich begrenzen sollen. Mikrosegmentierung ist entscheidend für eine Zero-Trust-Architektur, die davon ausgeht, dass jeder Datenverkehr potentiell gefährlich ist. Durch die Isolierung von Bedrohungen wird die Ausbreitung im Netzwerk verhindert und laterale Bewegungen unterbunden. Da nicht mehr nur selbst definierte Netzwerke genutzt werden, sondern auch Internet Anwendungen und virtuelle Systeme von Cloud-Anbietern, wird das Prinzip erweitert auf Rollen, Berechtigungen und die Erreichbarkeit von Anwendungen.
  • Transparenz und Überwachung: Eine umfassende Überwachung aller Netzwerkaktivitäten ist relevant für die frühzeitige Erkennung von Anomalien. Durch die kontinuierliche Überwachung kann schnell auf verdächtige Aktivitäten reagiert werden, um denkbare IT-Sicherheitsverletzungen zu verhindern.
  • Verschlüsselung: Im Zero-Trust-Modell bildet das Grundprinzip der Verschlüsselung einen essentiellen IT-Schutzmechanismus in einem Umfeld, das keine automatische Vertrauensbasis für Netzwerke, Nutzer oder Geräte vorsieht. Mit der grundlegenden Annahme, dass keine Entität als intrinsisch vertrauenswürdig betrachtet wird, wird die Verschlüsselung der Kommunikation zu einem Schlüsselelement, um die Vertraulichkeit und Integrität von Daten zu gewährleisten.
  • Präventive Absicherung (Assume Breach): Ein zentraler Aspekt des Zero-Trust-Modells liegt in der proaktiven Annahme von Angriffen und dem entsprechenden Umgang mit der aktuellen Situation. Beim Ansatz “Assume Breach” steht nicht die Frage im Vordergrund, ob ein Angriff stattfinden wird, sondern vielmehr wann er stattfinden wird. Im Rahmen dieses Ansatzes werden auch Aspekte der Geschäftskontinuität berücksichtigt. Dies beinhaltet Überlegungen darüber, wen man im Falle eines Angriffs kontaktiert, ob verlorene Daten wiederhergestellt werden können und ob diese Daten bereits verschlüsselt sind. Es ist ebenso von Bedeutung zu klären, ob alle Funktionen noch intakt sind und ob die Unternehmensprozesse unterbrochen wurden sowie, falls ja, wie lange diese Unterbrechung voraussichtlich andauern wird.

Weniger ist Mehr: Nicht nur Angreifer stehen vor Hindernissen

Die Implementierung eines Zero-Trust-Modells ist keine einfache Aufgabe und erfordert eine gründliche Planung sowie Investitionen in Technologien und Schulungen. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Überwindung traditioneller Denkmuster, die oft den inneren Netzwerkverkehr als sicher und den externen als unsicher betrachten. Die Umstellung erfordert eine umfassende Bewertung der bestehenden IT-Sicherheitsarchitektur, um Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben.

Da es keine festgelegte “Schritt-für-Schritt”-Anleitung gibt, zählt es zu den größten Herausforderungen, den richtigen Grad an IT-Sicherheit zu finden. Dies erfordert eine sorgfältige Analyse und die Berücksichtigung bestehender Forschungsergebnisse, um IT-Sicherheitsmaßnahmen passend zu den eigenen Anforderungen zu gestalten, ohne die Nutzerfreundlichkeit oder Produktivität zu beeinträchtigen. Zu strenge IT-Sicherheitsmaßnahmen können Frustrationen bei den Mitarbeitern auslösen und somit die Produktivität senken. Daher ist eine ausgewogene und anpassbare Umsetzung nicht zu vernachlässigen.

Die Identifikation der Punkte, an denen IT-Schutzmaßnahmen erforderlich sind, stellt oft eine Herausforderung dar. Dieser Prozess beginnt mit der Definition von Angriffszonen, in denen das scheinbare Ausmaß von Bedrohungen ermittelt wird. Eine präzise Bewertung des Gewinnpotentials für mögliche Angreifer ist entscheidend, um kritische Bereiche zu identifizieren. Die Analyse potentieller Gewinne ermöglicht eine genauere Erkennung von Schwachstellen, woraufhin gezielte IT-Schutzmaßnahmen für diese Zonen entwickelt werden können.

Mit zunehmender Unternehmensgröße wird es oft komplexer, einen umfassenden Überblick über alle genutzten Applikationen und Dienste zu behalten. Dennoch ist das Wissen darüber, wo und wie bestimmte Applikationen und Dienste eingesetzt werden, entscheidend, um die IT-Sicherheit dieser Systeme zu gewährleisten. Dies ermöglicht es Unternehmen, gezielt IT-Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren und mögliche Schwachstellen zu identifizieren.

Um Zero Trust erfolgreich im Unternehmen umzusetzen, ist es von entscheidender Bedeutung, Unterstützung von den maßgeblichen Entscheidungsträgern zu gewinnen. Die Herausforderung besteht darin, trotz anfänglicher Kosten und des damit verbundenen Aufwands, der möglicherweise abschreckend wirken kann, durch überzeugende Argumente zu zeigen, dass die Umsetzung von Zero Trust die Geschäftsziele unterstützt und Risiken mindert.

Insgesamt betrachtet mag Zero Trust zwar vielversprechend klingen, dennoch sollten die damit einhergehenden Herausforderungen für Unternehmen keinesfalls ignoriert werden. Die Auseinandersetzung mit diesen Aspekten erfordert von allen Beteiligten einen nicht zu unterschätzenden Aufwand: Weniger ist Mehr.

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