Neue Phishing-Masche generiert Seiten direkt im Browser.
Barracuda Threat Spotlight: E-Mail-Angriffe umgehen Erkennung, indem sie Phishing-Seiten direkt im Browser des Opfers generieren.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Eine neuartige Phishing-Methode generiert gefälschte Anmeldeseiten über sogenannte Blob-URLs direkt im Arbeitsspeicher des Opfer-Browsers.
- Da die Phishing-Inhalte nicht auf einer herkömmlichen Website gehostet werden, existiert keine permanente URL, die Sicherheits-Tools im Vorfeld blockieren könnten.
- Zudem missbrauchen die Angreifer legitime Microsoft-Dienste für Weiterleitungen. Deswegen müssen IT-Sicherheitsteams ihre Abwehr auf die Erkennung von bösartigem Verhalten und identitätsbasierte Kontrollen umstellen.
Analyse einer E-Mail-Angriffskampagne
Bedrohungsforscher von Barracuda haben die Ergebnisse einer Analyse einer E-Mail-Angriffskampagne veröffentlicht. Hier nutzen Angreifer keine herkömmlichen Phishing-Websites, sondern eine Phishing-Seite mithilfe von Blob-URLs direkt im Browser des Opfers generierten. Eine Blob-URL ist eine temporäre, vom Browser generierte Adresse, die auf Inhalte verweist, die lokal im Arbeitsspeicher und nicht auf einer Website gespeichert sind. Die Opfer wandern über legitime Microsoft-Dienste. Das macht den Angriff vertrauenswürdig und vermeidet übliche Warnsignale.
Was macht diese Angriffe bemerkenswert?
Es existiert keine Phishing-Seite, die sich blockieren lässt. Phishing-Inhalte sind zu keinem Zeitpunkt auf einer herkömmlichen Webseite gehostet, sondern existieren ausschließlich im Rahmen einer bestimmten Browser-Sitzung. Dies bedeutet, dass es keine permanente Phishing-URL gibt, die Sicherheits-Tools im Voraus abrufen, analysieren oder auf eine Sperrliste setzen könnten.
Vertrauenswürdige Microsoft-Dienste lassen sich so während der gesamten Angriffskette missbrauchen. Anstatt die Opfer auf eine offensichtlich verdächtige Website zu leiten, führt der Angriff sie über legitime Microsoft-Infrastruktur, darunter login.microsoftonline.com und Microsoft Teams. Da es für Nutzer so wirkt, als würden sie sich während der gesamten Angriffskette durch legitime Microsoft-Dienste bewegen, erkennen sie die Aktivitäten möglicherweise seltener als bösartig.
Phishing-Angriff im Browser
Der Phishing-Angriff läuft größtenteils im Browser ab. Sobald die Blob-URL-basierte Phishing-Seite geladen ist, registriert sie einen Service Worker – eine Browser-Komponente, die Netzwerkanfragen und das Seitenverhalten im Hintergrund verwalten kann. Ein Teil des Workflows wird zudem in einem Sandbox-basierten iFrame ausgeführt, einem isolierten Browser-Fenster, das in die Seite eingebettet ist. Zusammen ermöglichen es diese Elemente, die Navigation zu steuern, Anfragen zu verwalten und den Phishing-Ablauf zu koordinieren, ohne dass dafür eine herkömmliche Phishing-Website erforderlich wäre.
- Dynamische Angriffssteuerung. Der Phishing-Workflow erhält über Browser-Messaging-Mechanismen Anweisungen von der Backend-Infrastruktur. Da der Angriff dynamisch und nicht über fest programmierte Weiterleitungen gesteuert wird, können die Angreifer Ziele und Verhalten in Echtzeit anpassen.
- Mehr Glaubwürdigkeit. Die Phishing-E-Mail enthält eine Kalendereinladungsdatei als harmlosen Anhang. Diese Datei ist zwar nicht Teil der schädlichen Nutzlast, trägt jedoch dazu bei, dass die Nachricht wie routinemäßige Geschäftskommunikation wirkt und beim Empfänger zusätzliches Vertrauen schafft.
„Diese Kampagne zeigt, wie sich Phishing über gefälschte Websites und verdächtige Domains hinaus weiterentwickelt und dabei viele der Indikatoren beseitigt, auf die sich IT-Sicherheitsteams bisher bei der Erkennung verlassen haben“, sagt Ashitosh Deshnur, Associate Threat Analyst bei Barracuda. „Unternehmen sollten sich deshalb darauf fokussieren, böswilliges Verhalten zu identifizieren und identitätsbasierte Kontrollen zu verstärken, anstatt lediglich bekannte Phishing-URLs zu blockieren.“
Die wichtigsten Abwehrmaßnahmen
- Überwachung von OAuth-Autorisierungsprozessen und Weiterleitungsketten auf ungewöhnliche oder unerwartete Ziele
- Überprüfung der Browser-Aktivität im Zusammenhang mit Blob-URLs, insbesondere wenn diese zum Rendern von Anmeldeseiten oder Authentifizierungsprozessen verwendet werden
- Erkennung verdächtiger Service-Worker-Registrierungen im Zusammenhang mit externen Inhalten
- Einsatz von Phishing-resistenten Methoden für die Multi-Faktor-Authentifizierung, zum Beispiel FIDO2-Sicherheitsschlüssel und Passkeys
- Einsatz von E-Mail-Sicherheitskontrollen, die den gesamten Klickpfad analysieren, anstatt sich ausschließlich auf die ursprüngliche URL zu verlassen
- Schulung der Nutzer, bei unerwarteten Aufforderungen zur Signatur von Dokumenten Vorsicht walten zu lassen, selbst wenn die Links vermeintlich die vertrauenswürdige Microsoft-Infrastruktur nutzen
Häufige Fragen (FAQ)
Es gibt keine feste Phishing-Website, die auf eine Sperrliste gesetzt werden könnte. Die betrügerische Seite wird über eine temporäre Blob-URL direkt im Arbeitsspeicher des Browsers generiert und existiert ausschließlich während dieser einen Nutzersitzung.
Die gesamte Angriffskette nutzt legitime Infrastrukturen und Dienste von Microsoft wie Teams oder die offizielle Login-Seite für Weiterleitungen. Da die Nutzer glauben, sich auf vertrauenswürdigen Microsoft-Kanälen zu bewegen, schöpfen sie keinen Verdacht, und auch klassische URL-Filter schlagen keinen Alarm.
Das bloße Blockieren bekannter URLs reicht nicht mehr aus. Unternehmen müssen stattdessen das Verhalten im Browser überwachen (z. B. verdächtige Blob-URLs und Service Worker) sowie auf Phishing-resistente Authentifizierungsmethoden wie Passkeys oder FIDO2-Sicherheitsschlüssel setzen.


Barracuda Network AG
