Acronis: Weniger Malware, aber mehr Datenlecks

Redaktion  |
Deutlicher Anstieg bei Malware-Angriffen und Datenschutzverletzungen.

Acronis: Weniger Malware, aber mehr Datenlecks.

Weniger Malware-Erkennungen, aber mehr Datenschutzverletzungen und weiter aggressive Ransomware-Akteure: Die internationale Cyberbedrohungslage zeigte im Juli gegensätzliche Entwicklungen. Während die weltweite Malware-Erkennungsrate laut Acronis-Telemetrie den dritten Monat in Folge auf 5,6 Prozent sank und auch URL-basierte Bedrohungen in allen 16 Fokusmärkten zurückgingen, stieg die Zahl gemeldeter Datenschutzverletzungen deutlich auf 885. Zugleich bauten Ransomware-Gruppen wie The Gentlemen und Qilin ihre Aktivitäten innerhalb weniger Wochen massiv aus.

 Zusammenfassung (TL; DR):

  • Obwohl die weltweite Malware-Erkennungsrate laut Acronis im Juli 2026 den dritten Monat in Folge auf 5,6 Prozent sank, stieg die Zahl der gemeldeten Datenschutzverletzungen sprunghaft auf 885 an.
  • Besonders aktiv zeigten sich Ransomware-Gruppen wie The Gentlemen und Qilin, die ihre Opferzahlen innerhalb weniger Wochen massiv ausbauen konnten.
  • Als „Vorfall des Monats“ hebt der Bericht eine Attacke der Gruppe ShinyHunters auf das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) hervor, bei der Kundendaten über manipulierte Drittanbieter-Zugänge gestohlen wurden.

Monatlich Erkenntnisse zur Malware-Bedrohungslage

Das Acronis Cyberthreats Update stellt monatlich aktuelle Erkenntnisse zur Bedrohungslage und Einschätzungen der Experten der Acronis Threat Research Unit (TRU) zur Verfügung.

Laut Acronis-Telemetrie sank die Malware-Erkennungsrate im Juli um 0,4 Prozentpunkte von 6,0 auf 5,6 Prozent. Seit dem Jahreshöchstwert von 6,8 Prozent im April ist dies der dritte monatliche Rückgang in Folge. Auch bei URL-basierten Bedrohungen zeigte sich im Juli eine Entspannung: In allen 16 Fokusmärkten ging die normalisierte Erkennungsrate gegenüber Juni zurück. Deutschland verzeichnete einen Rückgang um 2,5 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent. Besonders deutlich fielen die Erkennungen in Brasilien (von 11,2 auf 6,7 Prozent), in Italien (von 10,6 auf 7,0 Prozent) und in Kolumbien (von 12,9 auf 9,4 Prozent).

Dynamische Entwicklung bei Ransomware-Akteuren

Auch bei den Ransomware-Akteuren setzte sich die dynamische Entwicklung fort. The Gentlemen führte die Rangliste im Juli mit 162 bekannten Opfern an, gefolgt von Qilin mit 128 Fällen und DragonForce mit 42 Fällen. Damit bauten The Gentlemen und Qilin ihre Aktivitäten gegenüber Juni deutlich aus: Im Vormonat waren ihnen 91 beziehungsweise 78 Opfer zugerechnet worden. Gleichzeitig rückte DragonForce anstelle von LockBit 5.0 mit 53 Opfern in die Top 3 vor. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark einzelne Akteure ihre Aktivitäten innerhalb weniger Wochen ausweiten oder zurückfahren können.

Vidar, AsyncRAT und XWorm dominieren

Bei der Malware-Aktivität führten Vidar, AsyncRAT und XWorm das Feld an. Die Kombination aus Infostealer und Remote-Access-Malware zeigt, dass Cyberkriminelle sowohl auf den unmittelbaren Diebstahl sensibler Informationen als auch auf einen längerfristigen Zugriff auf kompromittierte Systeme setzen.

 Weitere Erkenntnisse

  • Es wurden 885 Datenschutzverletzungen gemeldet, was eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vormonat (705) darstellt.
  • Die höchsten normalisierten Malware-Erkennungsraten entfielen im Juli auf Palästina (42,6 Prozent), Vietnam (30,5 Prozent) und Guadeloupe (26,8 Prozent).
  • Bei schädlichen URLs lagen Singapur (10,2 Prozent), Indien (10,0 Prozent) und Kolumbien (9,4 Prozent) an der Spitze der Fokusmärkte; die USA folgten mit 8,8 Prozent.
  • „Incident of the month“ – Ernst & Young (EY): Unbefugte griffen zwischen dem 28. März und 12. April 2026 über eine von der Steuerberatung genutzte Plattform eines externen IT-Dienstleisters zu und luden Dokumente mehrerer Kunden herunter. Die Erpressergruppe ShinyHunters bekannte sich am 27. Juli öffentlich zu dem Angriff und verwies auf kompromittierte Zugangsdaten aus der Lieferkette. Der Fall unterstreicht, dass Konten von Dienstleistern und Auftragnehmern mit Zugriff auf ITSM-, DevOps- und Cloud-Umgebungen besonders schützenswert sind.

Positives Signal, aber keine Entwarnung

„Der dritte Rückgang in Folge ist ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung. Die Malware-Erkennungsrate liegt weiterhin deutlich über dem Niveau zu Jahresbeginn, während sich regionale Schwerpunkte schnell verschieben. Unternehmen sollten deshalb auf kontinuierliches Monitoring, konsequent abgesicherte Drittanbieterzugänge und eine mehrschichtige Sicherheitsstrategie setzen“, sagt Markus Fritz, General Manager DACH bei Acronis.

Tipps zum Schutz vor aktuellen Bedrohungen

  • Starke, einzigartige Passwörter zusammen mit einem Passwortmanager verwenden.
  • Einen verschlüsselten Cloud-Storage für vertrauliche Dateien nutzen.
  • Automatisierte Wiederherstellung von verschlüsselten oder manipulierten Dateien,  einführen.
  • Advanced Email Security und URL-Filterung nutzen, die zusätzlichen Schutz vor Bedrohungen wie Phishing und anderen Social-Engineering-Techniken bieten.
  • Patch-Management nutzen, um Software stets auf dem neuesten Stand zu halten.
  • Signierte Installationsdateien nicht nur auf ihre Signatur, sondern auch auf enthaltene Konfigurationsdaten prüfen.
  • Fernzugriffssoftware kritisch überprüfen und ihre Nutzung auf das notwendige Maß beschränken.

 

 

 

Häufige Fragen (FAQ)

Wie hat sich die weltweite Malware-Aktivität im Juli entwickelt?

Die Malware-Erkennungsrate sank im Juli den dritten Monat in Folge auf 5,6 Prozent. Trotz dieses Rückgangs lag das Niveau aber immer noch deutlich über den Werten von Anfang des Jahres (z. B. Januar: 3,7 % / Februar: 4,2 %).

Welche Ransomware-Gruppen waren im Juli am aktivsten?

Die Gruppe The Gentlemen führte die Rangliste mit 162 bekannten Opfern an, gefolgt von Qilin mit 128 Fällen. Beide Banden konnten ihre Angriffe im Vergleich zum Vormonat Juni drastisch steigern.

Wie gelang den „ShinyHunters“ der Diebstahl bei Ernst & Young (EY)?

Die Angreifer haben nicht die IT-Infrastruktur von EY direkt attackiert, sondern erbeuteten Zugangsdaten über eine Lieferketten-Kompromittierung (Supply-Chain-Angriff). Dadurch erhielten sie Zugriff auf eine externe IT-Plattform und konnten sensible Kundendaten entwenden.

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