SANS-Studie 2026: Mehr KI-Einsatz und mehr Ausfälle

Jörg von der Heydt,    |
SANS-Studie 2026: Mehr KI-Einsatz und mehr Ausfälle

Studie des SANS Institutes: KI-Einsatz in der Cybersicherheit steigt, Anzahl der KI-bedingten Ausfälle ebenso.

Die Ergebnisse der 2. Ausgabe des SANS AI-Surveys 2026 geben Aufschluss darüber, wie Fachleute aus dem Bereich Cybersicherheit und leitende Sicherheitsverantwortliche die Einführung, die Steuerung und den offensiven Einsatz von KI einschätzen.

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Laut der SANS-Studie 2026 setzen Sicherheitsteams KI so schnell wie nie zuvor ein, allerdings hinken die nötigen Governance- und Personalstrukturen hinterher.
  • Während Angreifer KI massiv nutzen und 78 Prozent der Firmen entsprechende Angriffe melden, bleiben menschliche Expertise und gezielte Weiterbildung entscheidend, um Sicherheitslücken zu schließen.

Sicherheitsteams haben KI im Jahr 2026 schneller eingeführt als jemals zuvor, doch die Governance- und Personalstrukturen, die diese Einführung unterstützen sollen, halten nicht Schritt mit dieser Entwicklung. Der Bericht „2026 AI Survey Insights“ des SANS Institutes liefert ein ehrliches Bild, wo die Profession tatsächlich steht – und nicht wo sie gerne stehen möchte. Der Bericht stützt sich auf Antworten von 536 Cybersicherheits- und IT-Fachleuten weltweit sowie auf ein spezielles Modul, das von 57 hochrangigen Sicherheitsverantwortlichen, darunter CISOs, CSOs und Vizepräsidenten für Sicherheit, ausgefüllt wurde.

SANS-Autor Matt Bromiley berichtet, dass Sicherheitsteams seit zwei Jahren KI schnell integrieren, aber Lösungen schrittweise entwickeln. Im Jahr 2026 gewichten die Befragten das Ausmaß dieser Entwicklung jedoch deutlich stärker.

Red-Teaming als Mehrheitspraxis

Red-Teaming hat sich innerhalb eines einzigen Jahres von einer Minderheiten- zu einer Mehrheitspraxis entwickelt: 61 Prozent der Fachleute setzen KI mittlerweile bei der Red Team-Arbeit ein, gegenüber 33 Prozent im Jahr 2025. Untersuchung, Reaktion und Anwendungssicherheit haben Schritt gehalten und werden als Teil des täglichen Betriebs betrachtet – und nicht als etwas, das Teams beiseitelegen können, wenn die Ergebnisse enttäuschen. Dennoch bezeichnen nur 27 Prozent der Fachleute ihren Einsatz als ausgereifte Produktionsumgebung; die meisten testen KI noch in Pilotprojekten oder setzen sie in einer unterstützenden Rolle ein.

bewältigen kann. Zwar steuern 76 Prozent die Unternehmens-KI, doch mehr als der Hälfte fehlen formale Audit-Frameworks. 
Dadurch steigen die Defizite bei der Erkennung von Bedrohungen. Mittlerweile berichten 63 Prozent der IT-Fachleute von erheblichen Mängeln. 
Gleichzeitig integrieren Angreifer KI in fast jede Phase des Angriffszyklus. Sie nutzen die Technologie für Spionage, Exploits oder Deepfakes.
Bereits 78 Prozent der Unternehmen meldeten KI-gestützte Angriffe. Fast alle Befragten erwarten den KI-Einsatz auf der Angreiferseite.

Menschliches Fachwissen ist nach wie vor die Grundlage

Menschliches Fachwissen bildet nach wie vor die Grundlage für die Abwehr KI-gestützter Bedrohungen. Fast die Hälfte der Fachleute nennt die Verhaltenserkennung (Behavioral Detection) als ihre wirksamste Kontrollmaßnahme. Danach folgen Schulungen zur Sicherheitsaufmerksamkeit (Security Awareness) mit 45 Prozent und die Überprüfung durch menschliche Analysten mit 39 Prozent. Der Bericht bringt genau diese Kompetenzen direkt mit der Schließung der Personallücke in Verbindung.
„Unternehmen können diese Lücken nicht schließen ohne Mitarbeiter, die das erkennen, was den Tools verborgen bleibt“, sagt Bromiley. „Teams, die jetzt in die Weiterbildung investieren, holen auch mehr aus der bereits angeschafften KI heraus. Ihre Mitarbeiter wissen nämlich, wann sie der KI vertrauen und wann sie eingreifen müssen.“ 
Die Daten zeigen diesen Trend bereits: 73 Prozent der Fachleute geben an, dass KI die Schulungsanforderungen ihres Teams im Jahr 2026 verändert hat. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 51 Prozent. Monitoring- und Integrationsaufgaben erweitern die bereits bestehenden Rollen der Mitarbeiter.

Drei Veränderungen

Der Bericht verweist auf drei Veränderungen, die darüber entscheiden werden, ob sich die Bereitschaftslücke im Laufe des nächsten Jahres schließen wird:

  • Den Aufbau einer KI-Validierungsinfrastruktur, die Präzision, Recall und kontinuierliche Vergleiche erfasst, anstatt den Erfolg am Einsatzvolumen zu messen.
  • Die Verlagerung der Governance aus Richtliniendokumenten hin zu den operativen Kontrollen, die Praktiker tagtäglich anwenden, wobei der Zugriff auf sensible Daten und die Offenlegung von KI-Daten als zentrale Kontrollmaßnahmen und nicht als nachträgliche Überlegungen behandelt werden.
  • Die Behandlung der Personalentwicklung als unmittelbaren operativen Bedarf und nicht als Einstellungsziel, das für ein zukünftiges Quartal geplant ist.

Über die Studie: Für den SANS AI-Survey 2026 antworteten weltweit 536 Cybersicherheits- und IT-Fachleute zu Transformation, Governance und Personalfragen. Zusätzlich füllten 57 hochrangige Sicherheitsverantwortliche wie CISOs und CSOs ein spezielles Modul aus. Dies ist die zweite jährliche Ausgabe der Umfrage. Zahlreiche namhafte Technologie- und Sicherheitsunternehmen sponserten die diesjährige Erhebung.

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