KI in der Cybersicherheit: Lohnt sich der Aufwand für kleine Teams?

Duncan Mills,    |
KI in der Cybersicherheit: Lohnt sich der Aufwand für kleine Sicherheitsteams?

KI in der Cybersicherheit: Lohnt sich der Aufwand für kleine Sicherheitsteams?

Derzeit behaupten viele Sicherheitsanbieter, ihre Plattform sei „KI-gestützt“. Dashboards versprechen Automatisierung, generative KI wird als Antwort auf den Fachkräftemangel positioniert. Für kleine, aber auch für mittelständische Unternehmen mit schlanken IT- und Security-Teams klingen diese Versprechen verlockend, doch kann KI das eigene Sicherheitsprogramm wirklich stärken und lohnt der Aufwand? 

Zusammenfassung (TL; DR):

  • Obwohl KI für kleine Sicherheitsteams Vorteile bei Angriffserkennung und Automatisierung bietet, warnt Bitdefender vor erheblichem operativen Aufwand und „Buzzword-Ballast“ bei der Integration.
  • Unternehmen sollten systematisch evaluieren, ob sie KI intern implementieren oder den Aufwand durch Managed Detection and Response (MDR)-Anbieter auslagern. Eine kritische Analyse ist notwendig, da KI keine „Plug-and-Play-Wunderwaffe“ darstellt und der Nutzen die Implementierungskosten übersteigen muss.

Mittelständische Unternehmen mit kleinen IT-Teams stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Angreifer gehen immer raffinierter vor, Angriffsflächen wachsen dynamisch und der Compliance-Druck steigt. Zugleich sind die Sicherheitsteams klein und wenige Mitarbeiter müssen bisweilen mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen. KI klingt da wie eine willkommene Hilfestellung. Sie kann das Erkennen von Angriffen beschleunigen, Alarmmüdigkeit reduzieren, Alarme automatisiert priorisieren, Reaktionszeiten verbessern und in großen Datenmengen versteckte Gefahren aufdecken. Doch ein Haken bleibt: KI ist keine Plug-and-Play-Wunderwaffe und ihre effektive Integration erfordert Aufwand.

KI-Hype versus Sicherheitsrealität

Täglich kämpfen kleine Sicherheitsteams mit Alarmen, Schwachstellen und Angriffen. Daher ist es sinnvoll, nach Tools zu suchen, die den Workload reduzieren. KI verspricht, Gefahren schneller zu erkennen, intelligent zu priorisieren und die Abwehr stärker zu automatisieren. Auf dem Papier können diese Möglichkeiten kleinen Teams helfen, so zu reagieren, als hätte sie ein Vielfaches der aktuellen Ressourcen. Der praktische Befund fällt nicht so eindeutig aus, da viele KI-Versprechen in eine von zwei Kategorien fallen:

  • Buzzword-Ballast: Dies ist der Fall, wenn KI in bestehende Arbeitsabläufe integriert wird, ohne dass dies eine echte Wirkung hat – abgesehen davon, die Arbeitsabläufe zu stören.
  • Operativer Mehraufwand: In diesem Fall führen neue Tools eher zu Komplexität und Unübersichtlichkeit als zu Klarheit und Einfachheit. Ein Chatbot ist laut Experteneinschätzungen etwa nur dann nützlich, wenn man sich eine konkrete Fragestellung beantworten lassen will. Chatbots eröffnen zudem für Sicherheitsanalysten einen neuen Arbeitsablauf.

Zwei Ansätze, KI zu implementieren

Um den Einsatz von KI im Cybersicherheitsbereich zu bewerten, stehen KMU im Wesentlichen vor zwei Möglichkeiten:

Option 1: Integration der KI in die interne Sicherheitsinfrastruktur

Dabei wählen Sicherheitsteams KI-basierte Tools, integrieren sie in ihre Arbeitsabläufe, schulen Mitarbeiter und optimieren die Modelle im Laufe der Zeit. Diese Option kann leistungsstark sein, wenn sie richtig durchgeführt wird. Sie ist aber mit Kosten verbunden, die viele kleine und mittlere Teams unterschätzen. So gehören zum zusätzlich sich ergebenden operativen Aufwand:

  • Validierung und Konfiguration
  • laufende Optimierung
  • Fähigkeiten zur Interpretation der Ergebnisse
  • Integration mit Erkennungs- und Reaktions-Playbooks

Bevor kleine IT-Teams also zu sehr auf die Versprechen der KI setzen, müssen sie eruieren, welche Geschäftsergebnisse sie verbessern möchten, welchen Aufwand die Implementierung erfordert, wie sich das Tool in die täglichen Arbeitsabläufe integrieren lässt, welche Kosten damit verbunden sind, und wie diese mit ihrem Budget vereinbar sind. Falls die Antworten unklar ausfallen, sollten Verantwortliche gegebenenfalls einen anderen Ansatz wählen.

Option 2: Outsourcing an einen MDR-Anbieter

Die Erkennung und Reaktion an einen Managed Detection and Response (MDR)-Anbieter auszulagern, ist eine gute Alternative für die KI-Implementierung im Sicherheitsbereich – insbesondere, wenn interne Personalressourcen und Fachkenntnisse nur begrenzt zur Verfügung stehen. Outsourcing bedeutet jedoch nicht, dass sich Unternehmen zurücklehnen können. Sie müssen verstehen, wie der MDR-Anbieter KI einsetzt, ob KI die Erkennung und Reaktion wirklich verbessert und ob die zu erwartenden MDR-Ergebnisse mit den Vorgaben des Sicherheitsteams übereinstimmen.

Nicht alle externen Teams zur Unterstützung der Cybersicherheit nutzen KI in gleichem Maße. Einige setzen sie ein, um menschliche Analysten leistungsstark zu unterstützen, andere umhüllen traditionelle Prozesse lediglich mit Automatisierung, was nur begrenzt wirksam ist. Damit ein Outsourcing-Modell erfolgreich ist, müssen Verantwortliche die richtigen Fragen stellen und dürfen sich nicht auf plakative Slogans verlassen.

KI kann die Sicherheitslage von KMU stärken. Dies geschieht jedoch nicht automatisch und sicher nicht aufgrund von Hype-Versprechungen. Nur eine systematische Evaluation, wie generative KI die Tools zur Sicherheit unterstützen kann, hilft, die Realität einer Integration von generativer KI in ihr Sicherheitsprogramm zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

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