CISO Alliance: Fehlt es wirklich an CISOs – oder denken wir zu eng über Cybersecurity-Führung? Informationssicherheit ist keine Frage einzelner Titel.
Die Diskussion um den weltweiten Mangel an Chief Information Security Officers (CISOs) hat zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen. Dabei entsteht häufig der Eindruck, Informationssicherheit sei vor allem ein Problem fehlender Einzelpersonen – als müsse lediglich die richtige Anzahl an CISOs gefunden werden, um den Herausforderungen moderner Cybersecurity wirksam begegnen zu können.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Die CISO Alliance betont, dass Informationssicherheit weniger ein Problem fehlender Einzelpersonen ist, sondern eine strategische Teamleistung, die fest in Organisationsstrukturen verankert werden muss.
- Moderne Cybersecurity erfordert eine Verbindung von Technologie mit Governance und Risikomanagement, wobei die Verantwortung stets bei der Führung bleibt.
- Der Erfolg hängt maßgeblich von einer starken Community, gemeinsamem Lernen und professionellen Netzwerken ab.
Aus Sicht der CISO Alliance e.V. greift diese Perspektive jedoch zu kurz. Als Berufsverband der CISOs und CISO-nahen Berufe beobachten wir seit Jahren eine tiefgreifende Transformation des Berufsbildes. Die Rolle des CISO entwickelt sich zunehmend von einer isolierten Spezialfunktion hin zu einer strategischen Führungs- und Governance-Aufgabe innerhalb eines komplexen organisationalen Systems.
Informationssicherheit entsteht in der Praxis nicht allein durch eine Person mit einem bestimmten Titel. Sie entsteht dort, wo Verantwortung, Governance, Risikomanagement und operative Umsetzung wirksam zusammenspielen. In vielen Organisationen werden diese Aufgaben bereits heute von unterschiedlichen Rollen und interdisziplinären Teams getragen.
Entscheidend ist die Verankerung von Verantwortung
Die entscheidende Frage lautet daher nicht ausschließlich, wie viele CISOs es gibt. Entscheidend ist vielmehr, ob Informationssicherheit strukturell und strategisch angemessen verankert ist.
Die CISO Alliance hat bewusst ein praxisnahes Rollenverständnis veröffentlicht, das den CISO nicht ausschließlich als Einzelrolle beschreibt, sondern als Funktion innerhalb eines professionellen Sicherheitsökosystems. Dieses Verständnis verbindet:
- strategische Steuerung und operative Wirksamkeit,
- Risiko-, Business- und Governance-Perspektiven.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen, wachsender Bedrohungslagen und steigender Komplexität zeigt sich: Moderne Informationssicherheit ist Teamarbeit.
Technologie und Managed Services ersetzen keine Governance
Natürlich besteht weiterhin ein hoher Bedarf an qualifizierten Security-Expertinnen und -Experten. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch häufig weniger in einer reinen Mengenfrage als vielmehr in geeigneten Organisationsstrukturen, klaren Verantwortlichkeiten und nachhaltiger Kompetenzentwicklung.
Gleichzeitig wird im Markt der Eindruck vermittelt, moderne Cybersecurity lasse sich primär durch den Einsatz von Technologien, Plattformen oder Managed Security Services lösen. Security-Lösungen, Automatisierung und externe Services können ohne Frage einen wichtigen Beitrag zur technischen Abwehr, Skalierung und Entlastung interner Teams leisten. Sie ersetzen jedoch weder Governance noch unternehmerische Verantwortung.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, welche Leistungen extern bezogen oder technologisch unterstützt werden, sondern wie diese innerhalb der Organisation gesteuert, bewertet und verantwortet werden. Sicherheitsentscheidungen, Risikobewertungen und Priorisierungen müssen weiterhin fest im Unternehmen verankert bleiben.
Managed Services können operative Fähigkeiten erweitern – die Verantwortung für Informationssicherheit bleibt jedoch immer Teil der Unternehmensführung. Cybersecurity ist damit keine delegierbare Aufgabe, sondern eine originäre Führungs- und Managementverantwortung.
Community und gemeinsames Lernen werden zum Erfolgsfaktor
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist dabei der aktive Wissensaustausch innerhalb professioneller Communities. Gerade in einem dynamischen Bedrohungsumfeld können Organisationen es sich nicht leisten, Erfahrungen isoliert aufzubauen oder Fehler mehrfach zu wiederholen.
Die CISO Alliance fördert deshalb bewusst den Community-Ansatz. Der strukturierte Austausch zwischen CISOs, Sicherheitsverantwortlichen und angrenzenden Berufsgruppen ermöglicht:
- schnelleres Lernen und effizienteren Transfer von Best Practices,
- höhere Resilienz durch gemeinschaftliche Weiterentwicklung von Wissen und Erfahrung.
Cybersecurity braucht Leadership, Zusammenarbeit und belastbare Strukturen
Cybersecurity braucht starke Persönlichkeiten – vor allem aber tragfähige Strukturen, professionelle Netzwerke und ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung. Die Rolle des CISO bleibt dabei zentral. Sie ist heute jedoch Teil eines deutlich größeren professionellen Ökosystems, das nur durch Zusammenarbeit, kontinuierliche Weiterbildung und gemeinsames Lernen nachhaltig wirksam werden kann.
Als Berufsverband setzt sich die CISO Alliance daher weiterhin dafür ein, das Berufsbild weiterzuentwickeln, den fachlichen Austausch zu fördern und die Ausbildung zukünftiger Security-Expertinnen und -Experten nachhaltig zu stärken.



