Die neue Sprache der Cybersicherheit: if(is) & itsa -Umfrage fordert Abschied von alten Begriffen.
Zusammen mit der IT-Sicherheitsfachmesse it-sa und dem Institut für Internet-Sicherheit – if(is) arbeitet der Marktplatz IT-Sicherheit an einer umfassenden, praxisgerechten Nomenklatur für die Begriffe der IT-Sicherheit, um den komplexen, teils unübersichtlichen Markt der IT-Sicherheit verständlich und nachvollziehbar zu strukturieren. Dazu fand eine Umfrage unter Anwendern und Anbietern der IT-Sicherheit statt. Hier sind vier der spannendsten Ergebnisse der IT-Sicherheits-Umfrage.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Eine gemeinsame Umfrage des Marktplatzes IT-Sicherheit, der Fachmesse it-sa und dem if(is) liefert wichtige Impulse für eine neue, praxisgerechte Branchen-Nomenklatur.
- Während der Begriff „Incident Response“ rollenübergreifend als unverzichtbar gilt, wird das klassische „Antivirus“ vor allem von IT-Leitungen zunehmend als veraltet eingestuft und gestrichen.
- Zudem zeigt sich ein starkes Gefälle zwischen den Branchen: Während Startups und die IT-/Telko-Sektor stark auf Zukunftsthemen wie „Agentic AI“ setzen, verbleibt die öffentliche Verwaltung primär bei traditionellen, operativen Sicherheitsbegriffen.
Der IT-Sicherheitsmarkt wächst rasant, doch mit ihm steigt die begriffliche Unübersichtlichkeit. Eine aktuelle Umfrage des Marktplatzes IT-Sicherheit, der IT-Sicherheitsfachmesse it-sa und des Instituts für Internet-Sicherheit – if(is) liefert nun die empirische Basis für eine neue, praxisgerechte Nomenklatur. Die Ergebnisse unter Anwendern und Anbietern zeigen deutlich: In der IT-Security driften Rollenverständnisse und Branchenrealitäten stark auseinander – und ein vermeintlicher Klassiker steht vor dem endgültigen Aus.
Konsens bei der Krisenvorsorge: Incident Response bleibt unbestritten

- Chief Information Security Officers (CISOs): 82 % fordern die Aufnahme in die Nomenklatur.
- IT-Administratoren: 80 % sehen den Begriff als unverzichtbar.
- Geschäftsführer: 71 % stimmen dem zu.
- Die einzige Ausnahme bilden die Security Analysts (45 %).
Diese scheinbare Skepsis ist bei genauerer Betrachtung jedoch ein Zeichen maximaler Professionalisierung: Für Analysten im Security Operations Center (SOC) ist Incident Response längst gelebter, banaler Alltag. Ihr Fokus verschiebt sich strategisch bereits weiter nach vorne – hin zu Zukunftsthemen wie der Quantensicherheit.
Das Antivirus-Dilemma: Relikt oder administratives Fundament?

- IT-Leitung (71 %): Fordert den vehementen Verzicht auf den Begriff. Für strategische Entscheider ist „Antivirus“ ein veraltetes Relikt der 2000er-Jahre, das modernen, ganzheitlichen EDR- (Endpoint Detection and Response) oder XDR-Ansätzen weichen muss.
- Geschäftsführung (57 %): Folgt diesem Modernisierungskurs mehrheitlich.
- IT-Administratoren (30 %): Zeigen sich deutlich zurückhaltender beim Streichen. Die Praktiker an der Basis, die die tägliche Patch- und Client-Arbeit leisten, wissen, dass die klassische Signaturprüfung im Maschinenraum nach wie vor eine pragmatische Grundfunktion erfüllt.
Auch geografisch-organisatorische Gräben brechen hier auf: Während die Digital-Branchen IT und Telekommunikation (50 %) sowie die Industrie (54 %) den Begriff aufräumen wollen, hält die Öffentliche Verwaltung (33 % Streichquote) beharrlich an der traditionellen Bezeichnung fest.
Agentic AI: Der Hype ist (noch) ein C-Level- und Startup-Thema

Unternehmen mit 1 bis 49 Mitarbeitern befürworten die Aufnahme von Agentic AI zu 61 %, während Großkonzerne (1.000+ Mitarbeiter) mit lediglich 42 % reagieren. In den großen Sicherheitsabteilungen dominieren derzeit noch regulatorische Hürden und die Sorge vor unkontrollierten KI-Aktionen die Agenda.
Zudem ist Agentic AI ein klassisches Top-Down-Thema. Während Entwickler (75 %) und die Geschäftsführung (71 %) das Thema pushen, stehen CISOs (52 %) gebremst optimistisch gegenüber. IT-Administratoren ignorieren den Begriff im Alltag derzeit fast vollständig.
Zwei Welten: Öffentliche Verwaltung versus IT & Telko
Die Umfrage macht final deutlich, dass eine einheitliche Nomenklatur den Spagat zwischen zwei völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der deutschen Wirtschaft meistern muss. Die Sektoren bewegen sich in getrennten Begriffswelten:
- Die operative Basis (Öffentliche Verwaltung): Hier konzentriert man sich auf das Fundament. Die Top-Begriffe lauten Patch-Management, Härtung, Netzwerksegmentierung und Phishing-Simulationen. Kein einziger KI-Begriff schafft es hier in die Top 5. Es geht um das Schließen der bekannten, handwerklichen Einfallstore.
- Die Avantgarde (IT / Telekommunikation): Diese Branche definiert mit 62 % Zustimmung bei Zukunftsthemen aktiv die nächste Generation des Sicherheitsglossars. API-Sicherheit, Threat-Intelligence-Plattformen und KI-gestützte Automatisierung stehen hier im Fokus.
if(is) & itsa: Fazit für die Praxis
Die Initiative von Marktplatz IT-Sicherheit, it-sa und if(is) zeigt, dass eine Standardisierung des Marktes dringend notwendig ist. Eine zukunftsfähige Nomenklatur darf weder in den visionären Wolken von Tech-Startups schweben noch in den veralteten Begriffsmustern der Jahrtausendwende verharren. Sie muss die Brücke schlagen: Den administrativen Praktikern den klaren Pfad von “Antivirus” zu modernen Verteidigungsarchitekturen aufzeigen – und gleichzeitig den Entscheidern ein verlässliches Vokabular an die Hand geben, um technologische Sprünge wie Agentic AI risikobewusst zu steuern.


Institut für Internet-sicherheit - if(is)
