Gesamtstaatliche Verteidigung: Unternehmen sind auf den Ernstfall nicht gut vorbereitet.
Viele Unternehmen in Deutschland sind auf sicherheitsrelevante Krisenlagen nur unzureichend vorbereitet, obwohl sie deren Bedeutung mehrheitlich klar erkennen: 62 Prozent der Firmen stufen das Thema gesamtstaatliche Verteidigung als relevant für ihr Unternehmen ein.
Zusammenfassung (TL; DR):
- Ergebnisse der Studie „Navigating Geopolitics“ von KPMG in Deutschland: 62 Prozent der Unternehmen halten gesamtstaatliche Verteidigung für relevant.
- Nur 36 Prozent haben keine klare Zuständigkeiten für den Krisenfall definiert.
- Operative Vorbereitung ist bei vielen Unternehmen noch lückenhaft.
Viele Unternehmen in Deutschland sind auf sicherheitsrelevante Krisenlagen nur unzureichend vorbereitet, obwohl sie deren Bedeutung mehrheitlich klar erkennen: 62 Prozent der Firmen stufen das Thema gesamtstaatliche Verteidigung als relevant für ihr Unternehmen ein. Gleichzeitig zeigen sich deutliche strategische und organisatorische Lücken: Nur 27 Prozent verfügen über klar definierte geopolitische Krisenszenarien, 36 Prozent haben keine feste Ansprechperson oder zuständige Einheit. Das geht aus der Studie „Gesamtstaatliche Verteidigung im Wandel“ von KPMG in Deutschland hervor, für die rund 350 deutsche Führungskräfte aus zwölf Branchen befragt wurden.
„Unternehmen übernehmen heute eine zentrale Rolle in der gesamtstaatlichen Verteidigung. Das Bewusstsein für sicherheitsrelevante Entwicklungen wächst, doch vielerorts fehlen noch klare Routinen und belastbare Strukturen, um im Ernstfall handlungsfähig zu sein“, sagt Carsten Schiewe, Partner bei KPMG in Deutschland. „Dabei geht es nicht nur um Vorsorge. Wer Sicherheit, Prozesse und Zuständigkeiten frühzeitig organisiert, erhöht die eigene Resilienz und erschließt zugleich neue Marktchancen.“
Gesamtstaatliche Verteidigung: Krisenmanagement verbreitet, operative Tiefe fehlt
Zwar verfügen 88 Prozent der Unternehmen über ein formales Krisen- oder Notfallmanagement. In der Praxis wird es jedoch häufig zu selten überprüft: 42 Prozent aktualisieren ihre Konzepte nur einmal im Jahr oder noch seltener. Operative Resilienz-Maßnahmen bleiben vielfach begrenzt. Nur ein Teil der Unternehmen (39 Prozent) hat belastbare Notfallpläne, physische Schutzmaßnahmen (36 Prozent) oder Cybersicherheits-konzepte (36 Prozent) etabliert. Nur rund ein Drittel (33 Prozent) sensibilisiert und schult die Belegschaft.
Branchenvergleich zeigt große Unterschiede
Die Vorbereitung auf sicherheitsrelevante Krisen variiert dabei stark zwischen den Branchen. Unternehmen aus Energieversorgung, Telekommunikation und digitaler Infrastruktur verfügen vergleichsweise häufiger über definierte Zuständigkeiten und Notfallstrukturen. Deutlich zurückhaltender zeigen sich dagegen Maschinenbau, Gesundheitswesen und Teile der verarbeitenden Industrie. In diesen Sektoren fehlen häufiger belastbare Szenarien, regelmäßige Überprüfungen oder klar verankerte Verantwortlichkeiten. Eine einheitliche Branchenlogik ist nicht erkennbar, vielmehr zeigen sich Unterschiede im organisatorischen Reifegrad.
Sicherheitsanforderungen eröffnen wirtschaftliche Chancen
Neben den strukturellen Defiziten eröffnet die Studie auch eine wirtschaftliche Perspektive: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (62 Prozent) sieht in der gesamtstaatlichen Verteidigung neue Geschäftschancen. Potenziale sehen die Befragten insbesondere in den Bereichen Produktion, Sicherheit, IT und digitale Systeme sowie Forschung und Entwicklung. Demgegenüber bremsen langsame staatliche Entscheidungsprozesse (44 Prozent), politische Unsicherheiten und Planungsunsicherheit (42 Prozent) und der hohe Kostenaufwand (41 Prozent) die Umsetzung in den Unternehmen.



