Digitale Bildung und die Strategie 2025!

Wie steht es um die digitale Bildung in Deutschland und um die Strategie 2025? Wir haben uns Rahmenpläne, Ressourcen, Wegweiser und Konzepte angeschaut und analysiert, wie viel Aufmerksamkeit dem Thema Datenschutz und Datensicherheit wirklich geschenkt wird.

Wie viel von den Bemühungen der Bundesregierung kommt in den Lehrplänen an? Unsere Analyse deckt dabei eklatante Lücken auf – flächendeckend.

Digitale Bildung & Strategie 2025 bloß ein Konzept?

Im folgenden Beitrag wollen wir die Digitale Strategie 2025 im Bezug auf die Umsetzung der Länder im Bereich “Digitale Bildung” und “Datenschutz und Datensicherheit” einmal näher unter die Lupe nehmen. Die Digitale Strategie 2025 ist eine durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erstellte Schrift die zehn Schritte für eine digitale Zukunft definiert.

Unlängst forderte auch der Bundes-Datenschutzbeauftragte Ulrich Kelber “Datenschutz muss in Lehrpläne eingebunden werden”. Dieser Artikel analysiert die vorhanden Bemühungen und Konzepte im Bereich “Datenschutz und Datensicherheit” im Rahmen der Medienkompetenzrahmenpläne für Schülerinnen und Schüler (SuS) in Deutschland.

Zum Thema Datenschutz und -sicherheit schreibt die Strategie folgendes als Ziel:

“Nutzer und Verbraucher müssen souveräne Entscheidungen über die Verwendung ihrer Daten treffen können. Datensicherheit und Datensouveränität sind wichtige Grundpfeiler unserer Demokratie und zugleich Voraussetzung für die Akzeptanz und den Erfolg einer datengetriebenen Ökonomie.”

Ohne die entsprechende Schulung kann eine datensouveräne Entscheidung nicht erfolgen. Schaut man in die Zukunft, und will diese Probleme proaktiv bekämpfen, benötigt Deutschland ein Konzept, wie solche Inhalte in die Schulen getragen werden, damit bereits Schüler sich mit grundlegenden Datenschutz und Sicherheitsthemen auseinandersetzen. Die Digitale Strategie 2025 definiert auch ein Ziel für die digitale Bildung:

”2025 hat jede*r Schulabgänger*in Grundkenntnisse in Informatik, der Funktionsweise von Algorithmen und im Programmieren. Dafür müssen entsprechende Pflichtbestandteile der Lehrpläne in Primar- und Sekundarstufe und bei der Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer geschaffen werden”.

Auch die “Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien” der Bundesregierung schreibt, dass “altersgerechte und sichere Angebote” erzielt werden müssen.

Im Anschluss an die Kultusministerkonferenz 2016 definiert das Papier “Kompetenzen in der digitalen Welt” Anforderungen an das schulische Lernen in einer digitalen Welt. Die Länder sind nun aufgefordert Medienkompetenzrahmenpläne (Rahmenpläne) zu verfassen. Diese sind nun in fast allen Bundesländern auch verfügbar. Aufgrund dessen haben wir die einzelnen Rahmenpläne der Bundesländer analysiert.

Als Datenquelle verwenden wir den Deutschen Bildungsserver und die Seiten der Schulministerien der einzelnen Länder. Der deutsche Bildungsserver ist “als zentraler Wegweiser im Bildungssystem […] verweist er primär auf Internet-Ressourcen, die u. a. von Bund und Ländern, der Europäischen Union […] bereitgestellt werden.”. Für unsere Analyse haben wir die Rahmenpläne nach Zusammenhängen mit “Datenschutz” beziehungsweise “Datensicherheit” durchsucht.

Wo sollen die Kompetenzen für die Strategie 2025 herkommen?

Das Ergebnis ist, dass die Rahmenpläne in Bezug auf “Datenschutz” beziehungsweise “Datensicherheit” erhebliche Mängel aufweisen. Insbesondere ist unklar, wie Kompetenzen im Bereich “Datensicherheit” gebildet werden sollen. Hier erwähnt nur ungefähr jedes zweite Bundesland die Thematik im Rahmen des Plans. Das untenstehende Diagramm verdeutlicht dies.

Im Bereich “Datenschutz” sieht es etwas besser aus, hier bemängeln wir allerdings, dass rund 15% der Rahmenpläne Datenschutz nur im Sinne des Urheberrechts auslegen. Der Fokus wird auf die korrekte Verwendung von Materialien Dritter gelegt, jedoch wird nicht dargestellt, wie die Selbstermächtigung der SuS im Sinne des Datenschutzes integriert wird.

Eine nachhaltige datensouveräne Gesellschaft kann es nur geben, wenn auch die aktuelle Generation von Schülern mit Daten umzugehen lernt. Dafür müssen die Kompetenzen entweder im Lehrplan oder im Medienkompetenzplan bundesweit auf Länderebene definiert werden.

Ein weiteres zentrales Problem ergibt sich, wenn die Frage gestellt wird: Wer bringt den Kindern de Kompetenzen näher?

Bei der Medienbildung hapert es vorne und hinten – Die Ziele der Strategie 2025 sind bereits jetzt kaum zu schaffen.

Um Schüler datensouverän zu machen, benötigen Lehrer die entsprechenden Kompetenzen – müssen also selbst Kompetenzen haben oder aufbauen. In den Curricula der Lehrerausbildung der Universitäten findet sich kein Modul “Datenschutz” oder “Datensicherheit”. Die Studie “Medienbildung an deutschen Schulen” der Initiative D21 zeigt zudem auf, dass es allgemein kaum medienpädagogische Grundlagen gibt und das der Besuch dieser Lehrveranstaltungen meist nicht verpflichtend ist.

Ungefähr 66 % aller Lehrer in Deutschland sind 40 Jahre und älter. In dieser Alterspanne schätzt rund ⅓ aller Lehrkräfte Ihre Kompetenz im Umgang mit Computern als “weniger gut” ein, laut der Studie der D21.

Dies schlägt sich auf die Kompetenzvermittlung für eine Datensouveräne Gesellschaft ebenfalls nieder. Erschwerend hinzu kommen fehlende Fortbildungsmöglichkeiten durch die Länder. Nachfolgende Diagramme zeigen, ob es niederschwellige Fortbildungsprogramme im Bereich “Datenschutz” oder “Datensicherheit” für Lehrer gibt.

Für den Kompetenzbereich Datenschutz gibt es nur in jedem zweiten Land Fortbildungsmöglichkeiten und im Bereich Datenschutz sogar nur in jedem dritten Land. Diese Lücke in der Fortbildungslandschaft gilt es schnell zu schließen, wenn langfristig ein Umdenken und eine Stärkung der IT-Sicherheit und Datensouveränität erfolgen soll.

Insgesamt zeichnen wir ein düsteres Bild für die Ziele der “Digitalen Strategie 2025” in Hinblick auf die bildungspolitischen Ziele. Um hier einen Wandel zu vollziehen, braucht es nachhaltige, schnell und doch bedacht ausgerollte Konzepte, die Lehrer niederschwellig schulen. Deren Kernaufgabe soll weiterhin die Kompetenzvermittlung im Kernfach bleiben, jedoch sind digitale Kompetenzen im Bereich Datenschutz und Datensicherheit im Sinne einer zukunftsgerichteten Bildungspolitik nicht zu vernachlässigen.

Sonst werden weiterhin zu leicht Doxing- oder Hackingkampagnen ermöglicht. Begabte und interessierte Schüler können so verantwortungsbewusst Kompetenzen aufbauen und Ihre Energie in eine nachhaltige, nicht strafrechtlich relevante, Karriere stecken.